Klimafreundliches Bauen und Sanieren

Wie die Transformation des Gebäudesektors in NRW gelingt

Blick auf eine Baustelle eines Wohnquartiers mit Häusern und großen Baukränen. Davor eine große Grünfläche

Der Gebäudesektor ist für knapp ein Drittel der deutschen CO₂-Emissionen verantwortlich. Und mehr als die Hälfte der in Deutschland erzeugten Wärme wird für die Beheizung und Warmwasserversorgung in Gebäuden verbraucht. Für NRW bedeutet das: Je schneller und ambitionierter wir unseren Gebäudesektor transformieren, desto schneller machen wir unser Land klimaneutral. Die Aufgabe ist komplex, aber mit vereinten Kräften zu meistern.

Dabei sind alle gefragt: Immobilieneigentümerinnen und -eigentümer und Wohnungsbaugesellschaften genauso wie Kommunen, Unternehmen und Energieversorger und auch die planenden Architektur- und Ingenieurbüros. Aber was bedeutet klimaneutraler Gebäudebestand konkret? Neben der Auswahl klimaschonender, recycelbarer oder wiederverwendeter Baumaterialien müssen Wohn- und Nichtwohngebäude so gebaut oder modernisiert werden, dass ihr Energieverbrauch für Heizung, Lüftung und Warmwasserbereitung erheblich minimiert wird. Den restlichen Wärmebedarf decken dann Erneuerbare Energien. 

Der Schwerpunkt liegt dabei eindeutig auf der Sanierung, denn eines ist klar: Die allermeisten Gebäude, in denen wir 2045 leben und arbeiten werden, gibt es heute schon. Bei der Umsetzung sind verschiedene Ebenen zu betrachten: einzelne Baustoffe und Bauweisen genauso wie das Gebäude in seiner Gesamtheit und sogar ganze Quartiere:

Baustoffe und Bauweisen – Klimaneutralität beginnt bei der Konstruktion

Ein erheblicher Teil der über den Lebenszyklus eines Gebäudes verursachten Emissionen entsteht beim Bauen: Durch stetig steigende Gebäudestandards sinken langfristig die Emissionen in der Nutzungsphase, sodass bei energieeffizienten Neubauten heute über die Hälfte der Emissionen auf die sogenannte „graue Energie“ entfallen etwa für Herstellung, Transport und Entsorgung der Baustoffe.

Ein wichtiger Hebel setzt daher an den Baustoffen und Bauweisen an. Um ihren Einfluss auf das Gebäude während des gesamten Lebenszyklus – von der Bauphase über die Nutzung bis hin zu Abriss und Entsorgung – zu bewerten, liefert eine Ökobilanzierung oder Lebenszyklusanalyse (Life Cycle Assessment – LCA) eine systematische und standardisierte Datengrundlage.

Gebäude – auf die Hülle kommt es an

Neben einer klimaneutralen Heiztechnik steht auf Gebäudeebene die Hülle für die Energieeffizienz im Fokus – im Neubau genauso wie im Bestand: Eine hochwertige Dämmung von Decken, Dach und Fassade gehört genauso dazu wie energieeffiziente Fenster. All diese Parameter minimieren nicht nur die Wärmeverluste im Winter, sondern auch den Kühlbedarf im Sommer.

Quartiere – Bündelung von Effizienzmaßnahmen in Wohnsiedlungen

Noch effektiver als in einzelnen Gebäuden lassen sich Treibhausgase im Wärmebereich gleich in ganzen Siedlungen oder Quartieren reduzieren. Der Vorteil: Erzeugung und Nutzung von erneuerbarer Wärme beziehungsweise erneuerbarem Strom können im Quartier intelligent miteinander vernetzt werden. 

Auch über Wärmenetze können in vielen urbanen Räumen NRWs die Quartiere zukünftig verstärkt mit erneuerbarer Wärme versorgt werden. Hier ist Teamarbeit aller relevanter Akteure gefragt, um erneuerbare Wärmequellen und unvermeidbare Abwärme zu erschließen und die nötigen Infrastrukturen zu schaffen. 

Um Dynamik in die Umsetzung zu bringen, fördert die Landesregierung mit dem Projekt KlimaQuartier.NRW Quartiere mit geringen Treibhausgasemissionen.

Vier Hebel auf dem Weg zum klimaneutralen Gebäudebestand

Ein Grund für den geringen energetischen Sanierungsgrad liegt in der Kleinteiligkeit von Sanierungsverfahren mit Einzelleistungen unterschiedlichster Gewerke. Und eine Lösung dafür liegt in der Serienfertigung – nicht nur durch serielles Sanieren bei Bestandsgebäuden, sondern auch bei Neubauten, dann durch industrielle Vorfertigung. Die Serienfertigung setzt auf digital geplante und standardisierte Baulösungen aus dem Werk. Dabei ermöglichen vorgefertigte Module wie Fassaden, Dächer oder ganze Wohnbereiche schnelle, kostengünstige und hochwertige Bau- und Sanierungsprozesse – unabhängig vom Wetter, mit weniger Personal und hoher Energieeffizienz. 

Wichtige Weichen dazu wurden bereits mit der Bundesförderung „Serielles Sanieren“ und den aktuellen Boni der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) gestellt. Und NRW zählt mit seinen zahlreichen Pilotprojekten bereits jetzt zu den Tempomachern der seriellen Sanierung in Deutschland.

Die durchschnittliche energetische Sanierungsrate von Bestandsgebäuden pro Jahr in Deutschland liegt seit Jahren bei unter einem Prozent – zu wenig für eine echte Wärmewende. Um die Quote zu erhöhen, müssen Sanierungen schneller und effizienter werden. Ein Ansatz mit großem Potenzial ist das Konzept des Sanierungssprints. Dass es gelingt, ältere Gebäude innerhalb von nur einem Monat zu einem Effizienzhaus umzubauen, beweisen die Gewinner des Wettbewerbs Sanierungssprint.NRW, den das Land NRW ausgerufen hat und NRW.Energy4Climate in der Umsetzung begleitet.

Im Hinblick auf die Wärmewende verbindet die Sektorenkopplung auf intelligente Weise den Strom- mit dem Wärmesektor. So lassen sich Erneuerbare Energien effizient einsetzen, auch wenn sie nicht konstant verfügbar sind.  Beispiele hierfür sind die Nutzung von PV-Strom für Wärmepumpen oder für die Warmwasserbereitung, z. B. in elektrischen Durchlauferhitzern. Aber auch die Kopplung mit dem Verkehrssektor ist möglich, wenn der Strom aus PV-Anlagen auf Gebäuden für die Ladung von E-Fahrzeugen verwendet wird.

Im Bauwesen steigert die Digitalisierung nicht nur den Nutzungskomfort, sondern optimiert auch die Bau- und Betriebsprozesse. Im Gebäude ermöglicht sie die intelligente Vernetzung von Energiebedarf und -angebot (Stichwort Smart Home) und unterstützt damit die Energiewende. Dank Fernwartung werden Fehler an technischen Anlagen schnell behoben – und dadurch Energieverluste verhindert.

Geballte Kompetenz – die Angebote von NRW.Energy4Climate

Mit dem Kompetenzzentrum Wärmewende unter der Federführung von NRW.Energy4Climate leistet das Land NRW gezielte Unterstützung für Wohnungswirtschaft, Kommunen und Quartiersentwickler– mit Beratungsleistungen, Veranstaltungen und verschiedenen Projekten. Zu den Angeboten gehören auch die Initiativen ALTBAUNEU, KlimaQuartier.NRWund die Auszeichnung für energieeffiziente Nichtwohngebäude.

Ihr Kontakt

Carsten Petersdorff

Carsten Petersdorff

Bereichsleiter Wärme & Gebäude

Gabriele Siedentop

Gabriele Siedentop

Fachexpertin Wärme & Gebäude

Isabel Brähler

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Fachexpertin Wärme & Gebäude

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