Wärmenetze

Netzausbau und eine optimierte Infrastruktur machen Nah- und Fernwärme zu einer tragenden Säule der klimaneutralen Wärmeversorgung

Wärmenetze transportieren thermische Energie von Wärmequellen zu einer Vielzahl von privaten und gewerblichen Verbrauchern. Das macht sie zu einem zentralen Bestandteil der Infrastruktur in NRW. Für eine klimafreundliche Nah- und Fernwärme sind jedoch weitreichende Transformationsprozesse erforderlich. Je nach erforderlichem Temperaturniveau kann die Wärme auch als kalte Nahwärme bereitgestellt werden.

Wärmenetze sind gerade in dicht besiedelten Gebieten oftmals kostengünstiger als dezentrale Lösungen und können viele Gebäude auf einmal mit klimafreundlicher Wärme versorgen. Gleichzeitig ermöglichen Wärmenetze die Nutzung bestimmter erneuerbarer Wärmequellen, wie zum Beispiel Tiefengeothermie, oder die Wärme aus Gewässern, deren Erschließung für Einzelgebäude nicht wirtschaftlich ist. 

Bis 2045 sollen rund 25 Prozent der Wärme über Wärmenetze bereitgestellt werden. Das ist doppelt so viel wie heute. Mit dem Aus- und Neubau geht aber auch eine tiefgreifende Transformation einher:

Anschluss klimaneutraler Wärmequellen 

In NRW basiert die Fernwärme derzeit noch größtenteils auf fossilen Energien. Nur rund15 Prozent stammten 2020 aus erneuerbaren Quellen (EWS 2024). Damit sie bis spätestens 2045 klimaneutral wird, müssen bestehende Netze schrittweise auf klimafreundliche Wärmequellen und Abwärme umgestellt werden, zum Beispiel:

  • industrielle Abwärme: Am Industriestandort NRW bietet diese Wärmequelle ein großes Potenzial.
  • Geothermie: Untersuchungen des Fraunhofer IEG und des Geologischen Dienstes NRW deuten auf enorme Potenziale tiefer Geothermie in NRW hin.
  • (Groß-)Wärmepumpen: Wärmepumpen heben die Temperatur an – und machen damit Niedertemperaturwärmequellen wie z. B. Flusswärme, Abwasserwärme oder Abwärme von Rechenzentren nutzbar. Großwärmepumpen können sogar thermische Leistungen von mehreren Megawatt bereitstellen und kommen daher schon jetzt immer häufiger in Wärmenetzen zum Einsatz.
  • Solarthermie: Bei ausreichender Flächenverfügbarkeit kann Solarthermie in der Kombination mit Wärmespeicherung eine kostengünstige und klimaneutrale Wärmequelle darstellen.
  • KWK-Anlagen: Reichen die verbrennungsfreien Wärmequellen in einer Region nicht aus, können biogene Brennstoffe oder grüner Wasserstoff eingesetzt werden, z. B. in Form von Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Im ländlichen Raum mit ausreichendem Biomasseüberschuss kann auch feste Biomasse zur Versorgung und zur Deckung der Spitzenlast zum Einsatz kommen.  

Transformation der Infrastruktur

Nah- und Fernwärmenetze bieten sich vor allem in dicht bebauten Gebieten, Quartieren, aber auch in einzelnen Dörfern und Siedlungen an. Überall hier müssen nicht nur bestehende Netze ausgebaut und neue aufgebaut werden. Auch die komplette Infrastruktur muss an die neuen Voraussetzungen angepasst werden. Denn andere Temperaturniveaus der neuen Quellen, neue Einspeiseorte und andere Produktionsprofile schaffen neue Voraussetzungen.

Gleichzeitig eröffnen der Netzausbau, die Integration von Wärmespeichern, die Möglichkeit der Sektorenkopplung, aber auch die Digitalisierung der Netze neue Möglichkeiten. So können, zum Beispiel durch Absenkung der Temperatur, die Effizienz erheblich gesteigert – und damit auch die Wirtschaftlichkeit erhöht werden.

Planungssicherheit für Wärmenetzbetreiber und Kommunen

Eines steht fest: Auf die Wärmenetzbetreiber kommen in den nächsten Jahren erhebliche Investitionen zu, aber solche, die sich lohnen, denn Kosten und Potenziale sind planbar:

  • Finanzielle Unterstützung erhalten die Netzbetreiber zum einen durch die „Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW)“ des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA): Die geförderten Transformationspläne zeigen auf, wie die klimaneutrale Wärmeversorgung bis 2045 erreicht werden kann – unter Berücksichtigung von Effizienzmaßnahmen, Ausbaupotenzialen, verfügbaren klimafreundlichen Wärmequellen und einer möglichen Absenkung der Netztemperatur.
  • Für die Planungssicherheit sorgt die kommunale Wärmeplanung: Das Landeswärmeplanungsgesetz (LWPG) verpflichtet die Kommunen zur Erstellung kommunaler Wärmepläne. Diese sichern Investitionen zusätzlich ab, da sie alle Wärmebedarfe – kommunal, gewerblich und privat – sowie deren klimafreundliche Deckung und Effizienzsteigerung umfassen, einschließlich der Fernwärme. Diese weisen Wärmeversorgungsgebiete mit unterschiedlichen Eignungsstufen für EE-Wärmenetze aus, die dann von geeigneten Akteuren (Kommunen, Stadtwerke, Energieversorger, u.a.) realisiert werden.
  • Wärmebedarfe – kommunal, gewerblich und privat – sowie deren klimafreundliche Deckung und Effizienzsteigerung umfassen, einschließlich der Fernwärme. Die kommunale Wärmeplanung ist daher auf das Know-how der Energieversorger angewiesen – und eine enge Zusammenarbeit aller Akteure zentral: Transformationspläne und kommunale Wärmepläne sollten idealerweise aufeinander abgestimmt sein und sich gegenseitig ergänzen.

Angebote von NRW.Energy4Climate

Wir unterstützen Energie- und Fernwärmeversoger, Wärmenetzbetreiber und Kommunen in NRW aktiv beim Ausbau ihrer Wärmenetze. Mit der Initialberatung „Transformation Fernwärme“ helfen wir dabei, erste Planungsschritte zu unternehmen: U. a. informieren wir über klimafreundliche Wärmequellen und die Transformation der Infrastruktur und unterstützen bei der Projektinitiierung.

FAQ – Antworten auf die wichtigsten Fragen zu Wärmenetzen

Bei Wärmenetzen spricht man in der Regel von Fernwärmenetzen, Nahwärmenetzen und von kalten Nahwärmenetzen. Die Netzarten unterscheiden sich primär in ihrer Länge und ihren Temperaturen.

Fernwärmenetze erstrecken sich über große Gebiete und können ganze Städte oder Stadtteile versorgen, in der Regel dicht besiedelte Gebiete. Nahwärmenetze beschränken sich normalerweise auf Wohnquartiere, kleinere Viertel oder Industriegebiete und versorgen damit manchmal nur wenige Gebäude. Rechtlich und technisch gibt es allerdings keine Unterschiede zwischen Fern- und Nahwärmenetzen. 

Die derzeit vorhandenen Fern- und Nahwärmenetze bestehen aus isolierten Rohren. Das durch die Rohre gepumpte Wasser weist in der Regel Temperaturen von knapp unter 110 Grad Celsius auf. Neuere Niedertemperaturnetze weisen Temperaturen von maximal 70 Grad Celsius auf und sind damit gut geeignet, um durch erneuerbare Wärmequellen gespeist zu werden.  

Bei sogenannten kalten Netzen (meist kalte Nahwärmenetze) liegen die Temperaturen des Wassers in den Leitungen zwischen zirka zehn und 25 Grad Celsius. Dadurch können an diese Netze im Gegensatz zu herkömmlichen Netzen Verbraucher angeschlossen werden, die entweder Wärme oder Kälte benötigen. Da die Netztemperaturen zu gering sind, um direkt Raum- und Warmwasserwärme liefern zu können, muss jedes angeschlossene Gebäude zur Erreichung der notwendigen Temperaturen eine eigene dezentrale Wärmepumpe besitzen. Die ist in der Regel eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe, die die Wärme aus dem Netz als Wärmequelle nutzt. Im Gegensatz zu warmen Wärmenetzen können die häufig ungedämmten Rohrleitungen bei kalten Netzen einfacher und damit kostengünstiger gestaltet werden.  

Je höher der Anteil der erneuerbaren Wärmebereitstellung in Wärmenetzen ist, desto größer wird auch die Bedeutung von (saisonalen) Wärmespeichern. Kommen Wärmepumpen zur Wärmeerzeugung in Netzen zum Einsatz, findet eine Kopplung der Sektoren Wärme und Strom statt. Dadurch kann in Zeiten mit hohen Anteilen erneuerbaren Stroms, dieser in Wärme umgewandelt und in Netze eingespeist oder in Wärmespeichern zwischengespeichert werden.  

Ihr Kontakt

Sigrid Lindner

Sigrid Lindner

Projektmanagerin Kompetenzzentrum Wärmewende

Lisa Kaborn

Lisa Kaborn

Fachexpertin Wärmeinfrastruktur

Robin Siepker

Robin Siepker

Fachexperte Wärme & Gebäude