Geothermie in NRW

Klimafreundliche Wärme aus der Tiefe

Die natürliche Wärme aus dem Inneren der Erde ist einer der Schlüssel zur Wärmewende in Nordrhein-Westfalen. Durch Geothermie können wir sie erschließen und viel fältig nutzen – zum Beheizen von Wohngebäuden genauso wie zur Versorgung ganzer Quartiere oder zur Bereitstellung klimafreundlicher Prozesswärme.

Grundlastfähig, nahezu ganzjährig und klimaunabhängig nutzbar und noch dazu flächendeckend verfügbar – mit diesen Vorteilen gehört Geothermie für NRW selbstverständlich zum Energiemix der Zukunft. Dabei gilt: Je tiefer man bohrt, desto höher sind die nutzbaren Temperaturen. Und so lassen sich – je nach Einsatzmöglichkeit – verschiedene Formen unterscheiden:

  1. Oberflächennahe Geothermie 

    In einer Tiefe bis circa 400 Meter versorgt die oberflächennahe Geothermie Einzelgebäude, kleinere Quartiere oder Nahwärmenetze – über Erdwärmesonden, Kollektoren oder Grundwasserbrunnen. Die dort vorherrschenden Temperaturen bis circa 40 Grad Celsius sind ideal zum Betreiben von Wärmepumpen.

  2. Mitteltiefe Geothermie und tiefe Geothermie

    Zwischen 400 und 1.500 Metern spricht man von mitteltiefer, danach von tiefer Geothermie. Die höheren Temperaturen von 40 bis über 120 Grad Celsius eignen sich sehr gut für Wärmenetze, für die industrielle Nutzung oder zum Beheizen großer Gebäudekomplexe. Dabei wird warmes Wasser aus natürlichen Reservoiren (hydrothermalen Systemen) oder Erdwärme mittels tiefer Erdsonden genutzt. Falls nötig, können Großwärmepumpen die Temperatur der entzogenen Wärme weiter erhöhen.

  3. Sonderformen: Geothermische Wärmespeicher und Grubenwasser

    Im Wärmespeicher wird die Wärme saisonal oder nur kurzfristig im Untergrund gespeichert, um sie zeitversetzt nutzen zu können – ideal zur Ergänzung von Wärmenetzen. Im bergbaugeprägten NRW bietet Grubenwasser ein wichtiges Geothermiepotenzial: Mit seinen konstanten Temperaturen kann es über Wärmetauscher effizient zum Heizen und Kühlen genutzt werden.

Flussdiagramm zum Ablauf eines mittel-tiefen hydrothermalen Geothermieprojekts mit vier Schritten: Vorstudie, Machbarkeitsstudie, Voruntersuchungen, Bohrung & Erschließung, jeweils mit Symbolen und kurzen Beschreibungen.
Ablauf eines (mittel-) tiefen hydrothermalen Geothermieprojektes

 

So minimiert NRW das Fündigkeitsrisiko für (mittel-)tiefe Geothermieprojekte

Trotz all der Potenziale der (mittel-)tiefen Geothermie: Bei jedem Projekt bleibt ein Fündigkeitsrisiko. Dieses federt die NRW-Landesregierung ab – mit seismischen Vorleistungen, gezielten Förderprogrammen und der Möglichkeit zur Risikoabsicherung über die NRW.BANK. Und schafft so mehr Planungssicherheit für potenzielle Betreiber. 

Geothermie in NRW

Als erstes Bundesland hat NRW mit dem Masterplan Geothermie den strategischen Rahmen für den Ausbau der (mittel-)tiefen Geothermie gesetzt. Dazu gehört u. a. das Explorations- und Bohrprogramm NRW: Im Auftrag der Landesregierung erfasst der Geologische Dienst systematisch geologische Potenziale mit 2D-/3D-Seismik und Pilotbohrungen – als Entscheidungsgrundlage für Kommunen und Unternehmen im Rahmen des Standortchecks.

Aktuelle Zahlen

3,2 - 4,1 TWh/a
will NRW im Jahr 2045 aus mitteltiefer Geothermie gewinnen
5,8 - 8 TWh/a
will NRW im Jahr 2045 aus tiefer Geothermie gewinnen
30 °C
pro 1.000 Meter Tiefe steigt die Temperatur im Erdinneren durchschnittlich

Gezielte Förderung und kompetente Beratung: So unterstützt NRW Geothermieprojekte

Als Landesgesellschaft für Energie und Klimaschutz bieten wir Initialberatungen zur Erschließung Erneuerbarer Wärme im Quartier sowie zur Fernwärme an. Ergänzend ermöglicht unser Branchen.Navi eine technologie- und dienstleistungsbezogene Suche nach Unternehmen für Ihre Projektumsetzung. Und unser Förder-Navi informiert über dauerhaft angebotene Förderprogramme.

Das Kompetenzzentrum Wärmewende.NRW bei NRW.Energy4Climate bündelt die Aktivitäten des Landes in diesem Bereich: Neben Informationen und Beratungsangeboten erhalten Sie hier auch Arbeitshilfen zur kommunalen Wärmeplanung, darunter eine konkrete Checkliste zur Geothermie.

Der Geologische Dienst NRW berät Sie zu Grundlagen, Projektplanung, Qualitätssicherung und bergrechtlichen Aspekten der Geothermie. Im Standortcheck Geothermie stehen Ihnen zusätzlich Informationen zu relevanten Untergrundparametern wie Gesteinsformationen, Teufe, Mächtigkeit und Temperaturverteilung zur Verfügung. 

Für die Beantragung eines Aufsuchungfeldes und die Genehmigung eines konkreten Geothermieprojektes ist in NRW die Bergbehörde bei der Bezirksregierung Arnsberg zuständig. 

progres.nrw bietet eine finanzielle Förderung entlang des gesamten Projektzyklus – von Vorstudien über Seismik bis zur Risikoabsicherung der Bohrung. Dabei gelten bei interkommunaler Zusammenarbeit höhere Fördergrenzen. Auch eine teilrückzahlbare Absicherung des Fündigkeitsrisikos ist möglich. Die Förderung erfolgt über die NRW-Bank.

In der BEW sind Voruntersuchungen über Modul 1 und Bohrungen über Modul 2 förderfähig.

Ihr Kontakt

Janik Focken

Janik Focken

Fachexperte Wärme & Gebäude

News zum Thema

Hier finden Sie aktuelle Meldungen, hilfreiche Informationen und spannende Hintergrundberichte zum Thema.

Alle News

Publikationen zum Thema

Sie sind auf der Suche nach weiterführenden Informationen? Hier finden Sie unsere Veröffentlichungen zum Thema.

Alle Publikationen

Erneuerbare Wärme

Checkliste für Kommunen: Mitteltiefe und tiefe hydrothermale Geothermie in der kommunalen Wärmeplanung Hilfestellung, die Kommunen den Weg zur Einbindung der Potenziale von mitteltiefer und...

Jetzt lesen