Der Straßengüterverkehr verursacht derzeit rund ein Drittel der Treibhausgasemissionen im Verkehrssektor in NRW. Ein Umstieg auf klimafreundliche Antriebe ist unumgänglich.
Die Logistikbranche ist buchstäblich eine treibende Kraft in NRW: 24.000 Unternehmen mit mehr als 360.000 Mitarbeitenden und fast 800.000 Straßengüterfahrzeugen erledigen tagtäglich einen zuverlässigen Job. Die Branche ist stark – und das soll auch in Zukunft so bleiben. Deshalb gilt für die Logistikunternehmen, sich schon heute auf eine grundlegende Veränderung vorzubereiten: die Umstellung von Verbrennern auf emissionsfreie Fahrzeuge. Für viele Nutzungen sind batterieelektrische Lastkraftwagen (BEV-LKW) eine sinnvolle Alternative zum konventionellen Diesel.
Batterieelektrische Antriebe – warum sich E-Trucks wirtschaftlich lohnen können
Momentan eignen sich E-Lkw besonders für den Einsatz auf kürzeren Strecken mit längeren Standzeiten. Doch das wird sich perspektivisch ändern. Sowohl in puncto Reichweite als auch bei der Infrastruktur tut sich viel. Sobald ein flächendeckendes Ladenetz verfügbar ist, werden E-Lkw auch für längere Strecken interessant sein. Deshalb gehen auch aktuelle Herstellerprognosen davon aus: Der Schwerlastverkehr der Zukunft wird mehrheitlich batterieelektrisch sein.
Und das aus gutem Grund. Auch wenn die Anschaffungskosten für emissionsfreie E-Lkw und die dazugehörige Infrastruktur aktuell um den Faktor zwei bis drei höher sind als bei herkömmlichen Dieselfahrzeugen, bieten E-Lkw zahlreiche ökologische und ökonomische Vorteile:
Neben deutlich niedrigeren Betriebskosten überzeugen E-Lkw auch mit einem geringen Wartungsaufwand.
In Kombination mit Ökostrom reduzieren sie die CO₂-Emissionen und unterstützen Unternehmen dabei, sich auf die Nachhaltigkeitsziele und die Nachhaltigkeitsberichtspflicht der EU vorzubereiten (Stichwort Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD)).
Weitere Pluspunkte sind ein positives Unternehmensimage, der Zugang zu Umweltzonen, eine höhere Akzeptanz bei Kundinnen und Kunden sowie eine geringere Lärmbelastung und ein komfortableres Fahrerlebnis.
Zur Rentabilität von batterieelektrischen Lkw tragen auch die wirtschaftlichen Anreize bei Steuern und Abgaben bei:
Finanzielle Anreize für E-Trucks
- Unabhängigkeit von der CO2-Besteuerung: Emissionsfreie LKW sind bei Nutzung von grünem Strom nicht von der CO2-Besteuerung betroffen, während der Dieselpreis über die CO2-Besteuerung kontinuierlich und weiter ansteigt.
- LKW-Mautbefreiung: Seit dem 1. Dezember 2023 verteuert eine CO₂-Abgabe von 200 Euro pro Tonne die Lkw-Maut für Dieselfahrzeuge. Emissionsfreie Lkw hingegen sind bis Ende 2025 komplett mautbefreit – ab 2026 zahlen sie nur 25 Prozent des regulären Satzes. Das macht sie wirtschaftlich deutlich attraktiver.
- Befreiung von Kraftfahrzeugsteuer (KraftSt): Die Kfz-Steuer für Lkw richtet sich nach Emissionsklasse und Gesamtgewicht. Emissionsfreie Lkw sind bis Ende 2030 steuerfrei – danach zahlen sie nur die Hälfte des regulären Satzes.
- Prämien durch Handel mit Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote): Halterinnen und Halter von BEV-Lkw können durch den Verkauf eingesparter CO₂-Emissionen eine Prämie erhalten. Dienstleister bündeln diese Quoten, lassen sie vom Umweltbundesamt zertifizieren und vermarkten sie an Unternehmen wie etwa Mineralölkonzerne.
All diese Faktoren spielen für die langfristige Wirtschaftlichkeitsbetrachtung eine große Rolle.
Praxisleitfaden hilft bei der Umstellung
Beim anspruchsvollen Antriebswechsel unterstützt unser Praxisleitfaden für emissionsfreie Flotten Logistikunternehmen und Speditionen: Er vermittelt grundlegende Informationen sowie Tipps und Best-Practice-Beispiele. Außerdem liefert er Schritt-für-Schritt-Anleitungen und Checklisten, die den Einstieg in das Thema erleichtern. Und er gibt einen Überblick über weitere Unterstützungsleistungen des Landes NRW, etwa Fördermöglichkeiten, Beratungsdienstleitungen oder Beschaffungsinitiativen.
E-LKW in NRW
Im Handlungskonzept Schwerer Straßengüterverkehr Nordrhein-Westfalen hat das Land nicht nur ein klares Ziel definiert: bis 2030 rund 80.000 emissionsfreie Lkw auf NRWs Straßen. Es informiert auch umfassend über Antriebsoptionen und ihre Potenziale. Und mit dem Förderprogramm „progres.nrw – Emissionsarme Mobilität“ fördert die Landesregierung aktiv die Antriebswende.