Im Industrieland NRW sind Binnenhäfen zentrale Knotenpunkte für den Im- und Export – und mit ihnen die Binnenschifffahrt. Um bis 2045 klimaneutral zu werden, muss die Schiffsflotte möglichst schnell dekarbonisiert werden.
Schiffe gehören zu den Verkehrsträgern mit den höchsten Antriebsleistungen – und haben somit auch den größten Energiebedarf. Eine weitere Herausforderung für die Dekarbonisierung: Aufgrund ihrer langen Nutzungsdauer von mehreren Jahrzehnten dauert die Antriebsumstellung der Flotten länger als bei anderen Fahrzeugarten. Doch auch hier sind die alternativen Antriebe auf dem Vormarsch. Je nach Energiebedarf kommen Batterien, Wasserstoff oder – in der Seeschifffahrt – auch synthetische Kraftstoffe zum Einsatz.
Elektrifizierung der Binnenschifffahrt – sinnvolle Option bei Kurzstrecken
Emissionsfreie, elektrische Antriebe sind in Fährverkehr und Binnenschifffahrt auf kurzen Strecken eine gute Option, da eine regelmäßige Lademöglichkeit besteht. Für die Antriebswahl gelten ähnliche Kriterien wie bei Landfahrzeugen. Allerdings ist hier eher der Platzbedarf als das Gewicht der Energiespeicher ausschlaggebend.
Aktuell sind Batterie-elektrische Antriebe eher für und als Fähre in Diskussion. Auf Kanälen gelten Brennstoffzellen als beste Lösung, aber auf Flüssen führt kaum ein Weg an Wasserstoff vorbei, wie dieses Beispiel eindrücklich zeigt: Ein Containerschiff würde für die Strecke Rotterdam–Duisburg stromaufwärts rund 20 MWh Strom verbrauchen! Und auch stromabwärts wäre es immer noch etwas weniger als die Hälfte.
Wasserstoff als Antrieb für Binnenfrachtschiffe
Bislang erschwert das komplexe Regelwerk der „International Maritime Organisation“ (IMO) den Einsatz von Wasserstoff: Er ist (noch) nicht als Schiffskraftstoff zugelassen. Zu diesen regulatorischen Hindernissen gesellen sich Platzprobleme, denn der Wasserstoff nimmt viel Platz ein, anstelle der Fracht. Und auch die lange Tankdauer per Schlauchbetankung wäre eine Herausforderung in einer Branche, in der Zeit Geld bedeutet.
Standardisierte TankTainer erleichtern die H2-Betankung
Die Lösung: Multiple-Element Gas Container (MEGC), auch „H2-TankTainer“ genannt. Diese Wasserstoff-Wechselbehälter können innerhalb von 30 Minuten getauscht werden und behindern das parallellaufende Löschen der Ladung nicht. Verschiedene europäische Regierungsbehörden treiben zusammen die EU-weite Standardisierung dieser Technologie voran und mehrere europäische Partnerunternehmen der Initiative RH₂INE (siehe Infokasten) entwickeln derzeit gemeinsam standardisierte TankTainer-Formate für verschiedene Schiffstypen.