Damit NRW bis 2045 klimaneutral wird, sind große Strommengen nötig – und gute Konzepte, um den Strom aus Erneuerbaren Energien zu speichern. Durch bidirektionales Laden werden batterieelektrische Fahrzeuge zu Pufferspeichern, denn die Energie fließt nicht nur in die Batterie hinein, sondern kann auch wieder entnommen werden.
Für eine erfolgreiche Verkehrswende müssen nicht nur genügend Ladepunkte für Elektrofahrzeuge, sondern auch die nötige Energie zum richtigen Zeitpunkt bereitstehen. Eine Herausforderung in Anbetracht des steigenden Strombedarfs und der begrenzten Netzkapazitäten. Gefragt sind also große Speicherkapazitäten, mehr Flexibilität – und gute Lösungen, die den Anforderungen gerecht werden. Eine solche Lösung ist das bidirektionale Laden.
V2H und V2G – eine gute Idee, zwei Anwendungen
Beim bidirektionalen Laden gibt es grundsätzlich zwei Lösungen: Vehicle-to-Home (V2H) und Vehicle-to-Grid (V2G):
- Bei der Vehicle-to-Home-Lösung laden Fahrzeuge zuhause grünen Strom zu kostengünstigen Zeiten oder nahezu kostenlos von der eigenen PV-Anlage und geben ihn später für die Stromversorgung des Hauses wieder ab – ohne Umweg über das öffentliche Netz. Damit ersetzen oder ergänzen sie Heimspeicheranlagen. Aufgrund der einfacheren Umsetzbarkeit wird diese Lösung voraussichtlich zuerst flächendeckend Anwendung finden.
- Im Falle von Vehicle-to-Grid wird der gespeicherte Strom in der Fahrzeugbatterie über Ladepunkte ins öffentliche Netz eingespeist. Die größten Hürden für eine flächendeckende wirtschaftliche Umsetzung liegen im regulatorischen Bereich: Netzentgelte, Konzessionsabgaben und Stromsteuer müssen wegfallen, zudem ist ein einheitlicher Rechtsrahmen für stationäre und mobile Speicher notwendig. Und es braucht die notwendige Standardisierung.
Die Masse macht‘s – das Potenzial des bidirektionalen Ladens
Elektrofahrzeuge als mobile Energiespeicher zu nutzen, birgt ein enormes Potenzial: Eine Fahrzeugbatterie hat aktuell durchschnittlich eine Kapazität von 70 Kilowattstunden. Würde man alle in Deutschland zugelassenen Elektrofahrzeuge zusammennehmen (Stand 2023), ergäbe sich ein theoretisches Speicherpotenzial von zehn Gigawattstunden.
Allerdings sind bislang nur wenige Fahrzeuge für das bidirektionale Laden gerüstet und es fehlen einheitliche Standards und Schnittstellen für eine herstellerübergreifende Lösung. Doch das soll sich ändern.
Prognosen gehen davon aus, dass bis 2035 alle neu zugelassenen batterieelektrischen Fahrzeuge für bidirektionales Laden geeignet sind. Ihr Anteil wird dann 65 Prozent des Bestandes (21,7 Millionen Fahrzeuge) ausmachen. Eine Nachrüstung bestehender Elektrofahrzeuge ist technisch nicht möglich.
Da aber nicht alle Ladepunkte bidirektional sein werden, werden rund 7,6 Millionen Fahrzeuge zur Entladung zur Verfügung stehen. Würden dann Elektrofahrzeuge mit einer Leistung von elf Kilowatt gleichzeitig entladen, stünde eine Leistung von 85 Gigawatt zur Verfügung. Ein enormes Potenzial!
Grundsätzlich gilt: Zum bidirektionalen Laden werden voraussichtlich vorwiegend Pkw beitragen. Denn aufgrund ihrer geringen Standzeiten kommen Nutzfahrzeuge nur sehr eingeschränkt infrage.