Grünstromversorgung für Unternehmen

Mit PPA, Direktleitung oder Grünstromvertrag die Chancen Erneuerbarer Energien gezielt nutzen

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Lara Würfel

Lara Würfel

Referentin Photovoltaik

Unternehmen, die auf Strom aus Erneuerbaren Energien setzen, verschaffen sich messbare Vorteile: Sie machen sich unabhängiger von steigenden Energiekosten, schwankenden Börsenpreisen und knapper werdenden fossilen Ressourcen, gewinnen Planungssicherheit in Zeiten steigender Strombedarfe und reduzieren CO2-Emissionen. Wir geben Ihnen einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten.

Für eine nachhaltige Grünstromversorgung können Unternehmen zwischen verschiedenen Modellen wählen: Neben klassischen Stromlieferverträgen mit Herkunftsnachweisen bieten sich auch sogenannte Power Purchase Agreements (PPAs), Eigenversorgungs- und Direktleitungslösungen sowie Kombinationen aus all diesen Optionen an. Die Wahl des richtigen Modells ergibt sich aus verschiedenen Faktoren: Bedarf, Kosten und Wirtschaftlichkeit auf der einen Seite, Standort- und Organisationsfaktoren sowie Nachhaltigkeitskriterien auf der anderen.  

Die verschiedenen Modelle im Überblick: 

  • Klassische Grünstrombeschaffung: Bei diesem Modell bezieht ein Unternehmen seinen Strom über ein Energieversorgungsunternehmen und entscheidet sich für ein Grünstromprodukt. Die physische Lieferung erfolgt vollständig über das öffentliche Netz und der Lieferant deckt den Bedarf des Unternehmens wie bei einem konventionellen Stromliefervertrag. Der Grünstromcharakter wird dadurch hergestellt, dass der Lieferant Herkunftsnachweise in Höhe des Verbrauchs entwertet oder ein zertifiziertes Grünstromprodukt liefert. Es besteht keine vertragliche oder physische Beziehung zu einer konkreten EE-Anlage.
     
  • Off-Site-Power-Purchase-Agreements (Off-Site-PPA): Bei der Grünstromversorgung aus Erneuerbare-Energien-Anlagen unterscheidet man zwischen On-Site- und Off-Site-PPA. Bei einem Off-Site-Power-Purchase-Agreement schließt das Unternehmen einen meist mittel- bis langfristigen Stromliefervertrag mit einer klar definierten erneuerbaren Erzeugungsanlage oder einem Anlagenportfolio, das in das öffentliche Netz einspeist – z. B. ein Wind- oder PV-Park. Die erzeugten Mengen werden über Bilanzkreise dem Verbrauch des Unternehmens selbst (Corporate PPA) oder dem seines Energieversorgungsunternehmens (Utility PPA) zugeordnet. Die dazugehörigen Herkunftsnachweise überträgt der PPA-Lieferant und das EVU entwertet sie.
     
  • On-Site-Modelle am Standort (Eigenversorgung und On-Site-PPA): Im Falle von On-Site-Modellen werden Erzeugung und Verbrauch physisch an einem Standort gekoppelt. Das bedeutet konkret: Der Strom aus einer EE-Anlage wird direkt vor Ort genutzt, etwa über eine Einspeisung hinter dem Netzverknüpfungspunkt oder über eine Direktleitung. Damit reduziert der lokal erzeugte Strom den Netzbezug des Unternehmens. Die darüber hinaus benötigten Mengen werden weiterhin über das öffentliche Netz beschafft. Die zwei Grundformen im Überblick: 
     
    • Eigenversorgung: Das Unternehmen ist Eigentümer der Erzeugungsanlage und betreibt sie selbst oder durch einen Dienstleister. Dadurch trägt es das volle wirtschaftliche Risiko der Anlage.
       
    • On-Site-PPA: Die Erzeugungsanlage befindet sich zwar am oder in unmittelbarer Nähe des Unternehmensstandorts, gehört aber einem Dritten, z. B. einem Projektentwickler oder Dienstleister. Das Unternehmen bezieht Strom aus dieser Anlage über ein PPA. Der Dritte trägt aber im Regelfall das Investitions- und Betriebsrisiko. Die Vorteile: Das Unternehmen sichert sich über einen langen Zeitraum feste Strompreise und damit Planungssicherheit. Durch die räumliche Nähe zur Anlage entfallen zudem in der Regel Netzentgelte sowie bestimmte Umlagen.  

NRW.Energy4Climate bietet Orientierung bei der Modellauswahl  

Der Leitfaden „Grünstromversorgung für Unternehmen – mit PPA, Direktleitung oder Grünstromvertrag Erneuerbare Energien gezielt nutzen und wirtschaftlich davon profitieren“ unterstützt Unternehmen dabei, das für sie passende Grünstromliefermodell zu finden. Er zeigt auf, welche Informationen Unternehmen für eine fundierte Entscheidung brauchen und führt sie mit praktischen Checklisten Schritt für Schritt durch den Beschaffungsprozess. 

FAQ zur Grünstromversorgung

Bei der klassischen Grünstrombeschaffung bezieht das Unternehmen über Herkunftsnachweise bilanziell Grünstrom von einem Energieversorgungsunternehmen – der Strom wird also nicht unbedingt in der Nähe erzeugt. 

Bei Off-Site-PPAs schließt das Unternehmen einen langfristigen Stromliefervertrag mit einer konkreten Erneuerbare-Energien-Anlage. Das ermöglicht eine höhere Preisstabilität. Die erzeugten Strommengen werden über Bilanzkreise dem Verbrauch des Unternehmens selbst oder seines Energieversorgungsunternehmens zugeordnet.

Bei der Direktlieferung (On-Site-PPA oder Eigenversorgungsanlage) wird der Strom direkt am Unternehmensstandort erzeugt und verbraucht. Dieses Modell bietet häufig die größten Kostenvorteile und die höchste Nachhaltigkeitswirkung, erfordert jedoch einen höheren technischen und regulatorischen Aufwand.

Das hängt von den Rahmenbedingungen und Zielen des Unternehmens ab. Maßgeblich sind z. B. Stromverbrauch und Lastprofil, die gewünschte Preis- und Planungssicherheit sowie verfügbare Flächen für eigene Erzeugungsanlagen. 

In der Praxis werden Grünstrommodelle häufig kombiniert. Sind geeignete Flächen vorhanden, sind eigene Erneuerbare-Anlagen eine sinnvolle Ergänzung. Grundlage für die Auswahl eines geeigneten Modells ist eine systematische Analyse der Ausgangssituation (Hilfestellung bietet unsere Broschüre). 

Die klassische Grünstrombeschaffung ist eine einfach umsetzbare und flexible Möglichkeit, den Strombezug bilanziell auf Erneuerbare Energien umzustellen. Der Vorteil liegt in der schnellen Umsetzung, dem geringen organisatorischen Aufwand und der hohen Flexibilität durch vergleichsweise kurze Vertragslaufzeiten. Oftmals wird die klassische Grünstrombeschaffung mit den anderen Modellen kombiniert.

Off-Site-PPAs bieten den Vorteil, Grünstrom langfristig aus konkreten Erzeugungsanlagen zu beziehen und sich so gegen starke Schwankungen am Strommarkt abzusichern. Off-Site-PPAs sind sehr transparent, unterstützen die Dekarbonisierung und können durch die direkte Zuordnung zu einer Erzeugungsanlage sowie die Nutzung von Herkunftsnachweisen einen sehr glaubwürdigen Beitrag zur Dekarbonisierung leisten.

Bei der Direktlieferung wird der Strom direkt vor Ort erzeugt und verbraucht. Dadurch entfallen wesentliche Bestandteile der Netznutzung, insbesondere Netzentgelte, was sich positiv auf den Strompreis auswirkt. Weitere Vorteile sind die langfristige Planbarkeit der Stromkosten und die direkte Verbindung zwischen Standort und erneuerbarer Erzeugung. 

Bei der klassischen Grünstrombeschaffung liegt der Schwerpunkt auf dem Nachweis der erneuerbaren Stromqualität. Dafür werden Herkunftsnachweise (HKN) genutzt, die die Herkunft des grünen Stroms dokumentieren und für die Stromkennzeichnung entwertet werden.

Bei Off-Site-PPAs bestehen zusätzliche Anforderungen an die vertragliche Ausgestaltung und die Abwicklung der Stromlieferung. Dazu gehören insbesondere Regelungen zu Liefermenge, Bilanzierung, Herkunftsnachweisen, Messkonzepten und der Verteilung von Risiken zwischen Erzeuger und Abnehmer. Für Unternehmen ist zudem relevant, ob die Anforderungen an die gewünschte Nachhaltigkeits- und Reportingwirkung erfüllt werden, beispielsweise durch die eindeutige Zuordnung zu einer Erzeugungsanlage. 

Direktliefermodelle (On-Site-PPAs und Eigenversorgung) unterliegen besonderen regulatorischen Anforderungen, da die Stromlieferung innerhalb einer lokalen Infrastruktur erfolgt und der Strom nicht vollständig über das öffentliche Netz bezogen wird. Entscheidend sind dabei insbesondere die rechtliche Einordnung der Leitungsstruktur, die Abgrenzung zur Netznutzung sowie die Ausgestaltung des Messkonzepts.

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