Unternehmen, die auf Strom aus Erneuerbaren Energien setzen, verschaffen sich messbare Vorteile: Sie machen sich unabhängiger von steigenden Energiekosten, schwankenden Börsenpreisen und knapper werdenden fossilen Ressourcen, gewinnen Planungssicherheit in Zeiten steigender Strombedarfe und reduzieren CO2-Emissionen. Wir geben Ihnen einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten.
Für eine nachhaltige Grünstromversorgung können Unternehmen zwischen verschiedenen Modellen wählen: Neben klassischen Stromlieferverträgen mit Herkunftsnachweisen bieten sich auch sogenannte Power Purchase Agreements (PPAs), Eigenversorgungs- und Direktleitungslösungen sowie Kombinationen aus all diesen Optionen an. Die Wahl des richtigen Modells ergibt sich aus verschiedenen Faktoren: Bedarf, Kosten und Wirtschaftlichkeit auf der einen Seite, Standort- und Organisationsfaktoren sowie Nachhaltigkeitskriterien auf der anderen.
Die verschiedenen Modelle im Überblick:
- Klassische Grünstrombeschaffung: Bei diesem Modell bezieht ein Unternehmen seinen Strom über ein Energieversorgungsunternehmen und entscheidet sich für ein Grünstromprodukt. Die physische Lieferung erfolgt vollständig über das öffentliche Netz und der Lieferant deckt den Bedarf des Unternehmens wie bei einem konventionellen Stromliefervertrag. Der Grünstromcharakter wird dadurch hergestellt, dass der Lieferant Herkunftsnachweise in Höhe des Verbrauchs entwertet oder ein zertifiziertes Grünstromprodukt liefert. Es besteht keine vertragliche oder physische Beziehung zu einer konkreten EE-Anlage.
- Off-Site-Power-Purchase-Agreements (Off-Site-PPA): Bei der Grünstromversorgung aus Erneuerbare-Energien-Anlagen unterscheidet man zwischen On-Site- und Off-Site-PPA. Bei einem Off-Site-Power-Purchase-Agreement schließt das Unternehmen einen meist mittel- bis langfristigen Stromliefervertrag mit einer klar definierten erneuerbaren Erzeugungsanlage oder einem Anlagenportfolio, das in das öffentliche Netz einspeist – z. B. ein Wind- oder PV-Park. Die erzeugten Mengen werden über Bilanzkreise dem Verbrauch des Unternehmens selbst (Corporate PPA) oder dem seines Energieversorgungsunternehmens (Utility PPA) zugeordnet. Die dazugehörigen Herkunftsnachweise überträgt der PPA-Lieferant und das EVU entwertet sie.
- On-Site-Modelle am Standort (Eigenversorgung und On-Site-PPA): Im Falle von On-Site-Modellen werden Erzeugung und Verbrauch physisch an einem Standort gekoppelt. Das bedeutet konkret: Der Strom aus einer EE-Anlage wird direkt vor Ort genutzt, etwa über eine Einspeisung hinter dem Netzverknüpfungspunkt oder über eine Direktleitung. Damit reduziert der lokal erzeugte Strom den Netzbezug des Unternehmens. Die darüber hinaus benötigten Mengen werden weiterhin über das öffentliche Netz beschafft. Die zwei Grundformen im Überblick:
- Eigenversorgung: Das Unternehmen ist Eigentümer der Erzeugungsanlage und betreibt sie selbst oder durch einen Dienstleister. Dadurch trägt es das volle wirtschaftliche Risiko der Anlage.
- On-Site-PPA: Die Erzeugungsanlage befindet sich zwar am oder in unmittelbarer Nähe des Unternehmensstandorts, gehört aber einem Dritten, z. B. einem Projektentwickler oder Dienstleister. Das Unternehmen bezieht Strom aus dieser Anlage über ein PPA. Der Dritte trägt aber im Regelfall das Investitions- und Betriebsrisiko. Die Vorteile: Das Unternehmen sichert sich über einen langen Zeitraum feste Strompreise und damit Planungssicherheit. Durch die räumliche Nähe zur Anlage entfallen zudem in der Regel Netzentgelte sowie bestimmte Umlagen.
- Eigenversorgung: Das Unternehmen ist Eigentümer der Erzeugungsanlage und betreibt sie selbst oder durch einen Dienstleister. Dadurch trägt es das volle wirtschaftliche Risiko der Anlage.
NRW.Energy4Climate bietet Orientierung bei der Modellauswahl
Der Leitfaden „Grünstromversorgung für Unternehmen – mit PPA, Direktleitung oder Grünstromvertrag Erneuerbare Energien gezielt nutzen und wirtschaftlich davon profitieren“ unterstützt Unternehmen dabei, das für sie passende Grünstromliefermodell zu finden. Er zeigt auf, welche Informationen Unternehmen für eine fundierte Entscheidung brauchen und führt sie mit praktischen Checklisten Schritt für Schritt durch den Beschaffungsprozess.