Der Aufbau einer großskaligen Wasserstoffinfrastruktur ist für Nordrhein-Westfalen ein entscheidendes Puzzlestück auf dem Weg hin zu einer klimaneutralen Zukunft. Neben leistungsfähigen Transport- und Verteilmöglichkeiten werden ausreichend Speicherstätten benötigt.
Wasserstofftransport
Nach aktuellen Berechnungen wird Nordrhein-Westfalen langfristig einen Wasserstoffbedarf in Höhe von 129 bis 179 Terawattstunden haben – für die Nutzung in Industrie, Verkehr und Energiewirtschaft. Übergangsweise und in einzelnen Bedarfsfällen kann Wasserstoff über Schiene, Straße oder Wasser transportiert werden – unter Hochdruck, flüssig oder chemisch gebunden, etwa als Methanol, Ammoniak oder Liquid-Organic-Hydrogen-Carrier (LOHC). Für die langfristige Versorgung großer Bedarfe ist jedoch die Anbindung an ein Wasserstoffpipelinenetz entscheidend.
Wasserstoffkernnetz
Im Oktober 2024 hat die Bundesnetzagentur die Genehmigung für das deutsche Wasserstoffkernnetz erteilt. Bis zum Jahr 2032 soll allein in NRW 1.700 Kilometer Wasserstofffernleitungsnetz entstehen. Etwa 51 Prozent der Leitungen in NRW werden durch die Umstellung bereits bestehender Erdgasleitungen realisiert. Die verbleibenden Leitungsabschnitte müssen neu aufgebaut werden. Das erste Hochlaufentgelt zur Nutzung des Kernnetzes hat die Bundesnetzagentur mit 25 €/kWh/h/a bereits festgelegt.
Wesentliche Bausteine bilden die Projekte GET H2 Nukleus), das durch eine erste 130 Kilometer lange Wasserstoffleitung den Startpunkt für die deutschlandweite Wasserstoffinfrastruktur setzt, und H2ercules. Sie bilden auf Transportnetzebene die erste Stufe des Netzhochlaufs. In einer zweiten Stufe soll das Transportnetz weiter vermascht werden. Hierfür haben die Fernleitungsnetzbetreiber Gas zusammen mit den Wasserstofftransportnetzbetreibern ersten gemeinsamen Szenariorahmen erarbeitet. Darauf aufbauend soll im Sommer 2026 der erste integrierte Netzentwicklungsplan Gas und Wasserstoff veröffentlicht werden.
Wasserstoffverteilnetz
Neben dem Wasserstoffkernnetz ist der Aufbau eines Verteilnetzes von entscheidender Bedeutung. Besonders Unternehmen des industriellen Mittelstands oder Wasserstoffkraftwerke zur klimaneutralen Stromversorgung in NRW liegen häufig abseits der geplanten Leitungen des Kernnetzes oder haben andere Mengen- und Druckbedarfe, die einen Anschluss an das Transportnetz erschweren. Für die Anbindung dieser Standorte ist daher ein Verteilnetz erforderlich, das Wasserstoff vom Transportnetz oder von lokalen Elektrolyseuren direkt zu den Abnehmern befördert.
Ein bereits vorhandenes freiwilliges Planungsinstrument für die Transformation der Gasverteilnetze zur Nutzung klimaneutraler Gase wie Wasserstoff wurde von der Initiative H2vorOrt entwickelt. Mit dem sogenannten Gasnetzgebietstransformationsplan (GTP) lassen sich die H₂-Readiness bestehender Verteilnetzkomponenten bewerten und darauf aufbauende technische Umstellungen planen und vorbereiten.
Verbindliche Anforderungen für die Planung und den Aufbau von Wasserstoffverteilnetzen sowie für die Transformation und Stilllegung von Erdgasverteilnetzen legt die EU-Gasbinnenmarktrichtlinie (Richtlinie (EU) 2024/1788) vom August 2024 fest. Sie enthält unter anderem die Vorgabe einer regelmäßigen, vierjährigen Netzentwicklungsplanung für Gasverteilnetze. In Deutschland soll die Richtlinie bis zur Frist am 5. August 2026 durch eine Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) umgesetzt werden.
Wasserstoffspeicherung in NRW
Für den Aufbau einer leistungsfähigen Wasserstoffinfrastruktur spielt auch die Speicherung eine zentrale Rolle. Nur mit ausreichenden Speicherkapazitäten lassen sich Angebot und Nachfrage in Einklang bringen und die künftig stark steigende Nachfrage nach grünem Wasserstoff zuverlässig bedienen.
Laut dem im April 2025 veröffentlichten Weißbuch Wasserstoffspeicher des Bundeswirtschaftsministeriums ergibt sich bis 2030 ein Speicherkapazitätsbedarf von bis zu sieben Terawattstunden und bis 2045 zwischen 32 bis 80 Terawattstunden. Die derzeit einzige großskalige technische Option zur Wasserstoffspeicherung sind Salzkavernen, die bislang für die Speicherung von Erdgas genutzt werden. Grundsätzlich ist sowohl eine Umrüstung dieser Erdgaskavernenspeicher als auch die Neuschaffung von Wasserstoffkavernenspeichern möglich.
NRW verfügt mit seinen bestehenden Erdgaskavernen über hervorragende Voraussetzungen, um eine Wasserstoffspeicherinfrastruktur aufzubauen. Ein erster Kavernenspeicher für die Speicherung von Wasserstoff am Standort Epe soll bis 2027 im Rahmen des Vorhabens GET H2 in den kommerziellen Betrieb überführt werden.