Die heimische Elektrolyse ermöglicht die lokale Produktion und Nutzung von grünem Wasserstoff und ist ein wichtiger Baustein für die Transformation des Energiesystems und des Industriestandorts Nordrhein-Westfalen.
In den kommenden Jahren werden in Nordrhein-Westfalen insbesondere in der Industrie, im Verkehr und dem zukünftigen Energiesystem, aber auch in anderen Sektoren große Mengen an Wasserstoff benötigt. Um den Bedarf zu decken, setzt NRW auf Importe einerseits und andererseits auf die heimische Produktion von grünem Wasserstoff. Ziel der Landesregierung ist es, bis 2030 mindestens ein Gigawatt Elektrolyseleistung hierzulande zu installieren. Die Voraussetzungen sind gut: Nordrhein-Westfalen ist Vorreiter beim Ausbau der Erneuerbaren Energien. Noch nie hat ein Bundesland in einem Jahr so viele Windenergieanlagen genehmigt wie NRW in 2024. Auch beim Ausbau der Solarenergie gehört Nordrhein-Westfalen zu den Spitzenreitern und erschließt somit verbrauchsnahe Ausbaupotenziale.
Gleichzeitig treibt das Land die Entwicklung und Errichtung von Elektrolyseuren voran. So hat sich Nordrhein-Westfalen auch für eine wichtige Verordnungsnovelle im Bundesrat starkgemacht, die die Genehmigung vorwiegend von kleineren Elektrolyseuren erleichtert. Als weitere Hilfestellung für die Genehmigung und Überwachung von Elektrolyseuren dient ein Vollzugsleitfaden der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Immissionsschutz (LAI).
Erste Projekte lassen Vision Wirklichkeit werden
Bereits heute werden an zahlreichen Orten Elektrolyseanlagen geplant, gebaut oder betrieben. So entsteht beispielsweise am Wasserstoffzentrum Hamm ein 20 MW Elektrolyseur. Auch in Lichtenau wird im Rahmen des Projekts „Schlafender Riese“ eine Elektrolyseanlage mit zehn MW Leistung aufgebaut, die Strom aus den umliegenden Windparks zur Erzeugung von grünem Wasserstoff nutzt und damit die ansässigen Industrien beliefern soll. Der Trailblazer, ein 20-MW-Elektrolyseur von Air Liquide in Oberhausen, ist bereits RFNBO-zertifiziert – liefert also im Sinne der bestehenden EU-Regulatorik grünen Wasserstoff - und verkauft ihn u.a. an H2Mobility zur Belieferung von Wasserstofftankstellen.
Chancen der heimischen Produktion
Für einen schnellen Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft ist der Aufbau von hiesigen Elektrolysekapazitäten unabdingbar. Auf diese Weise können auch schon vor der Inbetriebnahme des Wasserstoffkernnetzes regionale Wasserstoffbedarfe bedient und Regionen versorgt werden, in denen ein Netzanschluss wenig wahrscheinlich ist. Regionale Wasserstoff-Ökosysteme können dabei Bedarfe und Erzeugungspotenziale vor Ort zusammenbringen und somit die Regionen stärken. Durch die Verankerung mit der kommunalen Wärmeplanung und der Abwärmenutzung der Elektrolyseure können weitere Synergieeffekte entstehen.
Auch das volkswirtschaftliche Potenzial der heimischen Wasserstoffproduktion ist durch das Erschließen neuer Wertschöpfungsketten und die Schaffung von zukunftsfähigen Arbeitsplätzen erheblich. Dezentrale Projekte tragen zudem zur Preissicherheit und Resilienz der Regionen bei, da Wasserstoffbezugsquellen diversifiziert und Abhängigkeiten reduziert werden. Nicht zuletzt kann die dezentrale Elektrolyse dabei helfen, die Stromnetze zu entlasten, indem sie Strommengen nutzt, die ansonsten aufgrund von einer zeitlichen Nachfragediskrepanz oder Netzengpässen abgeregelt werden müssten. Dadurch entsteht ein gesamtwirtschaftlicher Mehrwert. Dies bietet gerade mit Blick auf die Strombezugskosten der Elektrolyseure große Potenziale.