In Bad Godesberg ging im August 2025 Nordrhein-Westfalens erste gemeinschaftliche Gebäudeversorgung (GGV) ans Netz. Seitdem liefert eine Photovoltaikanlage auf einem Mehrfamilienhaus Solarstrom direkt an die teilnehmenden Mietparteien. Das Besondere an diesem Modell: Die Stadtwerke pachteten die Dachfläche, installierten die Anlage und betreiben sie; die Mietenden profitieren vom günstigen Solarstrom.
In der Vergangenheit war die Umsetzung von Gebäudestrommodellen in Mehrparteienhäusern häufig mit erheblichen bürokratischen Anforderungen verbunden. Doch mit dem Inkrafttreten des Solarpakets I im Mai 2024 vereinfachten sich die rechtlichen Rahmenbedingungen deutlich. Seitdem lässt sich auch hier die Nutzung von selbst erzeugtem Solarstrom erfolgreich umsetzen und Mietende können damit direkt an der Energiewende teilhaben.
Mit der gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung (GGV) schaffte der Gesetzgeber eine unbürokratische und für alle Parteien profitable Lösung. Eine der möglichen Umsetzungsvarianten, die auch die Stadtwerke Bonn wählten, ist das sogenannte „Contracting-Modell“. Dabei verpachten die Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümer ihre Dachflächen an einen spezialisierten Umsetzungspartner, der Planung, Bau und Betrieb übernimmt und den Strom direkt an die Mietenden liefert, ohne Umweg über das öffentliche Netz.
Günstiger Mieterstrom auf den Dächern von Bad Godesberg – ein Vorzeigeprojekt
In der Bad Godesberger Lindenallee lässt sich diese Win-win-win-Situation ganz konkret erleben. Hier nutzen die örtlichen Stadtwerke die freien Dachflächen eines Mehrparteienhauses mit 15 Wohneinheiten für ihre Photovoltaikanlage mit einer installierten Leistung von 30 Kilowattpeak. Gleichzeitig sichern sie sich eine feste Abnahme durch die Mietenden vor Ort. Der lokal erzeugte Solarstrom wird ohne Nutzung des öffentlichen Netzes direkt im Gebäude verteilt. Damit entfallen Abgaben und Umlagen wie Netzentgelte, Konzessionsabgabe und Stromsteuer, was zu deutlich günstigeren Stromkosten führt und zugleich die lokale, nachhaltige Energieversorgung stärkt.
Der Vermieter, eine Wohnungseigentumsgemeinschaft, profitiert von zusätzlichen Pachteinnahmen und bietet seinen Mietparteien eine günstige klimaneutrale Stromversorgung. Und die Mietenden beziehen den lokalen Solarstrom zu einem günstigen Brutto-Arbeitspreis von 25 Cent pro Kilowattstunde, ohne zusätzlichen Grundpreis und garantiert für 20 Jahre. Den Reststrom, den die Anlage nicht abdecken kann, liefert ihnen weiterhin der bisherige Stromlieferant. Das Modell ist für die Mietenden so attraktiv, dass sich sämtliche Mietparteien dieses Angebot sicherten.
Stadt Bonn fördert gemeinschaftliche Gebäudeversorgung
Dass Nordrhein-Westfalens erste GGV-Anlage in einem Bonner Bezirk ans Netz ging, kommt nicht von ungefähr. Die Stadt unterstützte die ersten Projekte durch ein auf Mehrparteienhäuser zugeschnittenes Förderprogramm und wies damit auf das große Erzeugungspotenzial solcher Projekte hin. Denn rund ein Drittel des Bonner Gebäudebestands entfällt auf Mehrfamilienhäuser, die vielfach noch nicht für Photovoltaik genutzt werden.