Praxisbeispiel

Solare Gebäudeversorgung in Bad Godesberg

Mehrparteienhäuser profitieren gemeinsam vom Solarstrom

25 Ct/kWh

ist der Bruttoarbeitspreis des Solarstroms des Bad Godesberger GGV-Projekts

Ihr Kontakt

Tanja Lovric

Tanja Lovric

Referentin Photovoltaik

Dr. Joachim Frielingsdorf

Dr. Joachim Frielingsdorf

Referent Kommunikation

In Bad Godesberg ging im August 2025 Nordrhein-Westfalens erste gemeinschaftliche Gebäudeversorgung (GGV) ans Netz. Seitdem liefert eine Photovoltaikanlage auf einem Mehrfamilienhaus Solarstrom direkt an die teilnehmenden Mietparteien. Das Besondere an diesem Modell: Die Stadtwerke pachteten die Dachfläche, installierten die Anlage und betreiben sie; die Mietenden profitieren vom günstigen Solarstrom.

In der Vergangenheit war die Umsetzung von Gebäudestrommodellen in Mehrparteienhäusern häufig mit erheblichen bürokratischen Anforderungen verbunden. Doch mit dem Inkrafttreten des Solarpakets I im Mai 2024 vereinfachten sich die rechtlichen Rahmenbedingungen deutlich. Seitdem lässt sich auch hier die Nutzung von selbst erzeugtem Solarstrom erfolgreich umsetzen und Mietende können damit direkt an der Energiewende teilhaben. 

Mit der gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung (GGV) schaffte der Gesetzgeber eine unbürokratische und für alle Parteien profitable Lösung. Eine der möglichen Umsetzungsvarianten, die auch die Stadtwerke Bonn wählten, ist das sogenannte „Contracting-Modell“. Dabei verpachten die Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümer ihre Dachflächen an einen spezialisierten Umsetzungspartner, der Planung, Bau und Betrieb übernimmt und den Strom direkt an die Mietenden liefert, ohne Umweg über das öffentliche Netz.

Günstiger Mieterstrom auf den Dächern von Bad Godesberg – ein Vorzeigeprojekt

In der Bad Godesberger Lindenallee lässt sich diese Win-win-win-Situation ganz konkret erleben. Hier nutzen die örtlichen Stadtwerke die freien Dachflächen eines Mehrparteienhauses mit 15 Wohneinheiten für ihre Photovoltaikanlage mit einer installierten Leistung von 30 Kilowattpeak. Gleichzeitig sichern sie sich eine feste Abnahme durch die Mietenden vor Ort. Der lokal erzeugte Solarstrom wird ohne Nutzung des öffentlichen Netzes direkt im Gebäude verteilt. Damit entfallen Abgaben und Umlagen wie Netzentgelte, Konzessionsabgabe und Stromsteuer, was zu deutlich günstigeren Stromkosten führt und zugleich die lokale, nachhaltige Energieversorgung stärkt.

Der Vermieter, eine Wohnungseigentumsgemeinschaft, profitiert von zusätzlichen Pachteinnahmen und bietet seinen Mietparteien eine günstige klimaneutrale Stromversorgung. Und die Mietenden beziehen den lokalen Solarstrom zu einem günstigen Brutto-Arbeitspreis von 25 Cent pro Kilowattstunde, ohne zusätzlichen Grundpreis und garantiert für 20 Jahre. Den Reststrom, den die Anlage nicht abdecken kann, liefert ihnen weiterhin der bisherige Stromlieferant. Das Modell ist für die Mietenden so attraktiv, dass sich sämtliche Mietparteien dieses Angebot sicherten. 

Stadt Bonn fördert gemeinschaftliche Gebäudeversorgung

Dass Nordrhein-Westfalens erste GGV-Anlage in einem Bonner Bezirk ans Netz ging, kommt nicht von ungefähr. Die Stadt unterstützte die ersten Projekte durch ein auf Mehrparteienhäuser zugeschnittenes Förderprogramm und wies damit auf das große Erzeugungspotenzial solcher Projekte hin. Denn rund ein Drittel des Bonner Gebäudebestands entfällt auf Mehrfamilienhäuser, die vielfach noch nicht für Photovoltaik genutzt werden. 

„Das GGV-Vorzeigeprojekt in Bad Godesberg zeigt, wie sich diese bislang unerschlossenen Potenziale systematisch aktivieren lassen. Gleichzeitig trägt es dazu bei, die Teilhabe breiter Bevölkerungsschichten an den Vorteilen von lokal erzeugtem, kostengünstigem und klimafreundlichem Solarstrom zu ermöglichen. Damit leistet das Vorhaben einen konkreten Beitrag zur sozialverträglichen und flächendeckenden Umsetzung der Energiewende.“

Tanja Lovrić, Referentin Photovoltaik bei NRW.Energy4Climate

Fazit 

Photovoltaikanlagen auf Mehrparteienhäusern ermöglichen es, sauberen und kostengünstigen Solarstrom direkt vor Ort zu erzeugen und innerhalb des Gebäudes an die einzelnen Haushalte zu verteilen – ganz ohne Umweg über das öffentliche Stromnetz. Die GGV trägt dazu bei, dass breitere Bevölkerungsschichten die Vorteile von lokal erzeugtem, kostengünstigem und klimafreundlichem Solarstrom nutzen können und leistet damit einen konkreten Beitrag zur sozialverträglichen und flächendeckenden Umsetzung der Energiewende. Das GGV-Praxisbeispiel aus Bonn macht deutlich, dass dieses Modell nicht nur technisch gut umsetzbar, sondern auch für alle Beteiligten wirtschaftlich attraktiv ist: Mietende profitieren auf lange Sicht von fairen Strompreisen und tragen gleichzeitig aktiv zum Klimaschutz bei. Für Eigentümerinnen und Eigentümer eröffnen sich zusätzliche Einnahmequellen, eine nachhaltige Aufwertung Ihrer Immobilie sowie die Möglichkeit, gesetzliche Anforderungen zur Nutzung von Solarenergie zu erfüllen. Schließlich profitieren die Umsetzungspartner von einer unkomplizierten Flächennutzung, wegfallenden Abgaben sowie einer garantierten Abnahme ihres Solarstroms. 

25 Ct/kWh

ist der Bruttoarbeitspreis des Solarstroms des Bad Godesberger GGV-Projekts

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Tanja Lovric

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Referentin Photovoltaik

Dr. Joachim Frielingsdorf

Dr. Joachim Frielingsdorf

Referent Kommunikation