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Grünstrom ohne Umwege

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Die jüngsten Preissprünge bei Öl und Gas zeigen einmal mehr, wie riskant die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten ist. Unternehmen, die hingegen auf eine Direktbelieferung mit Grünstrom bauen, profitieren gleich doppelt: Klimaneutrale Energieversorgung und  langfristig stabile Energiekosten. Die Direktbelieferung ist heute (24. September) auch Thema im Bundestag: Dort findet die erste Lesung zur Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) statt. 

Die gute Nachricht: Bei der Beschaffung von grünem Strom haben Unternehmen heute mehr Optionen als je zuvor. Neben klassischen Grünstromlieferverträgen können sie auch direkte Lieferverträge mit Anlagenbetreibern schließen, sogenannte On-Site- und Off-Site-PPAs, kurz für Power-Purchase-Agreements. 

Klassische Grünstromverträge – und warum sie oft nicht ausreichen 

Der einfachste Einstieg in die grüne Stromversorgung ist der klassische Grünstromvertrag. Dabei bezieht das Unternehmen klimaneutral produzierten Strom über das öffentliche Netz von einem Energieversorger. Dies verlangt weder technische Umbauten noch nennenswerte interne Ressourcen. Allerdings verzichten die Firmen dafür auf strukturelle Vorteile wie reduzierte Netzentgelte und können auch ihre Grünstrompreise nicht für längere Zeit absichern. Für größere oder strategisch denkende Abnehmer ist ein solcher Vertrag als alleinige Lösung daher langfristig nicht ausreichend. Besonders als Ergänzung zu anderen Bausteinen wie der Direktlieferung kann er durchaus sinnvoll sein. 

Strom von nebenan: Günstig, transparent und glaubwürdig

Bei der Direktbelieferung, auch On-Site-PPA genannt, wird der Strom für das Unternehmen direkt vor der Tür erzeugt, zum Beispiel von einem nahegelegenen Wind- oder Solarpark. Das Unternehmen schließt dabei einen längerfristigen Liefervertrag, meist über zehn bis zwanzig Jahre, direkt mit dem Betreiber der PV- oder Windanlage ab. Der Strom fließt entweder über eine Direktleitung oder wird hinter dem Netzverknüpfungspunkt direkt verbraucht, also ohne Umweg über das öffentliche Netz. 

Für das beziehende Unternehmen bietet die direkte Verbindung zahlreiche Vorteile: Durch die räumliche Nähe zur Anlage entfallen in der Regel Netzentgelte sowie bestimmte Umlagen. Hinzu kommt ein überschaubares Risikoprofil, denn Bau, Betrieb und Liefergarantien liegen beim Anlagenbetreiber. Seinen Benefit zieht dieser wiederum aus der längerfristigen Abnahmegarantie und einem fixierten PPA-Preis, sodass sich für ihn seine Investition in die neue Anlage lohnt. 

Wie das in der Praxis funktioniert, zeigt der Automobilzulieferer BENTELER: An seinem Standort in Lichtenau-Kleinenberg benötigt das Unternehmen rund 14 Gigawattstunden Strom im Jahr. Seit 2025 deckt es rund 50 Prozent seines Bedarfs direkt aus einem benachbarten Windpark. Auch der Vertragspartner, die Asselner Windkraft, eine Gesellschaft des Firmenverbundes Hellwegwind, profitiert von diesem PPA. Seine 28 Windkraftanlagen, die den Benteler-Standort im Kreis Paderborn mit Strom versorgen, erhalten keine EEG-Förderung mehr.

Auch der Schmiedetechnikspezialist Schöneweiss aus Hagen nutzt ein On-Site-PPA: Seit Mai 2025 beliefert eine nur zweieinhalb Kilometer entfernte Windenergieanlage das Unternehmen über eine Direktleitung mit grünem Strom. Die Windenergieanlage erzeugt jährlich so viel Strom, wie Schöneweiss im selben Zeitraum verbraucht. Durch die Direktbelieferung mit lokal erzeugter, Erneuerbarer Energie wird das Unternehmen deutlich unabhängiger vom Strommarkt. Überschüsse fließen ins öffentliche Netz, während bei geringer Windleistung bedarfsgerecht ergänzt wird. Die Folge: Das Unternehmen profitiert von sicherem, sauberem und preislich planbarem Strom und schützt sich vor Preissprüngen. Zudem bleibt die Wertschöpfung in der Region, die Versorgung wird nachhaltiger und stärkt die regionale Energiewende. 

Direktlieferung standortunabhängig gedacht

Steht in unmittelbarer Nähe zum Unternehmensgelände keine Erneuerbare-Energien-Anlage zur Verfügung, kann ein Off-Site-PPA eine Alternative sein. Das Modell funktioniert nach demselben Prinzip wie die Direktlieferung, nur ohne geografische Bindung. Die Anlage steht an einem anderen Standort und der erzeugte Strom wird dem Unternehmen über Bilanzkreise und Herkunftsnachweise, kurz HKN, rechnerisch zugeordnet. Das ermöglicht auch größere Grünstromliefermengen, allerdings fallen dabei Netzentgelte und Umlagen an, da der Strom über das öffentliche Netz transportiert wird. 

Ein wichtiger Baustein der Energiewende 

Unternehmen, die auf Strom aus Erneuerbaren Energien setzen, stärken ihre Wettbewerbsfähigkeit, gewinnen Planungssicherheit und sind resilienter gegenüber volatilen Energiepreisen. Die Grünstrom-Direktbelieferung ist für Industrie und Gewerbe ein wichtiger Baustein, um ihre Stromversorgung preiswert und langfristig mit grüner Energie zu sichern. Die Potenziale von Versorgungmodellen über eine Direktbelieferung werden in NRW bereits erfolgreich genutzt, sind aber längst noch nicht ausgeschöpft. 

Mit Informationen, Praxisbeispielen und Orientierung zu verschiedenen Versorgungsmodellen – von PPAs über Eigenversorgung bis hin zur Direktbelieferung – unterstützt NRW.Energy4Climate daher Unternehmen in NRW dabei, Potenziale zu bewerten, regulatorische Anforderungen einzuordnen und geeignete Modelle zu entwickeln. Denn welches Grünstrom-Modell im Einzelfall das richtige ist, entscheidet sich an verschiedenen Faktoren. Unterstützung beim Abwägungsprozess bietet der Leitfaden „Grünstromversorgung für Unternehmen – Mit PPA, Direktleitung oder Grünstromvertrag Erneuerbare Energien gezielt nutzen und wirtschaftlich davon profitieren“. Dieser Leitfaden zeigt, welche Informationen Unternehmen für eine fundierte Entscheidung brauchen und führt sie mit praktischen Checklisten Schritt für Schritt durch den Beschaffungsprozess. Für Initialberatungen steht das Team der Landesgesellschaft zur Verfügung (zur Fachseite mit Kontaktdaten).