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Ausgezeichnetes Konzept #2: Contracting-Modell als Finanzierungshilfe

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Mehr als die Hälfte des Wohnungsbestands in Nordrhein-Westfalen sind Mehrfamilienhäuser – diese klimafreundlich zukünftig klimafreundlich zu beheizen, ist ein wichtiger Beitrag für die Wärmewende. Mit einer Auszeichnung im Landeswettbewerb „WärmepumpenChallenge.NRW“ will das Land Nordrhein-Westfalen standardisierbare Wärmepumpenlösungen im Mehrfamilienhausbestand sichtbar machen und so einen Impuls für die Wärmewende setzen. Wie diese aussehen können? Im Interview stellen die drei Gewinnerunternehmen ihre Lösungen vor. 

Als eines von drei Konzepten hat das Contracting-Modell von vaestro gewonnen.  Als Contractor übernimmt das Unternehmen als Dienstleister die Planung, Finanzierung, den Bau und Betrieb von Anlagen für denjenigen, der die Immobilie besitzt und wird so zum Mitinvestor.  Die vaestro GmbH arbeitet mit einer zentralen Wärmepumpe und kleinen, dezentralen Wohnungsstationen. Das Unternehmen sorgt auch für eine flexible – und damit kostengünstige – Strombeschaffung sowie eine verlässliche Wärmeversorgung. Zusammen mit staatlichen Fördermitteln wird für die Mieterinnen und Mieter Kostenneutralität erreicht – so wird garantiert, dass die Heizkosten für die Mieter nach Umstellung der Wärmeversorgung nicht teurer wird als vorher. Moderate Sanierungen in Form eines bedarfsweisen Austauschs einzelner Heizkörper ergänzen das Konzept. Im Interview berichtet Geschäftsführer Nils Bartig über die Details. 

Wie kamen Sie auf die Idee, in Wärmepumpen von Mehrfamilienhäusern zu investieren? 
Nils Bartig: Schon früh wurde uns im Austausch mit vielen Eigentümern und Vermietern klar: Das zentrale Problem für die Wärmewende in Mehrfamilienhäusern ist nicht die Technik, sondern ein Anreiz- und Kapitalproblem. Viele Eigentümer werden von den hohen Investitionskosten einer Wärmepumpe abgeschreckt. Vor allem, da Sie im Betrieb nicht von den geringen Heizkosten einer Wärmepumpe profitieren, wird sich oft für die in der Installation günstigere Gasheizung entschieden. Um dieses Vermieter-Mieter-Dilemma aufzubrechen, haben wir angeboten, die Investitionskosten zu übernehmen. 

Wie und wie viel sparen Eigentümer und Mieter, wenn man Ihre Firma beim Umstieg auf klimafreundliches Heizen mit ins Boot holt? 
Nils Bartig: Im Vergleich zum Eigenkauf sinken die Investitionskosten für Eigentümer um rund 75 Prozent. Dadurch ist die Wärmepumpe in der Anschaffung oft sogar günstiger als eine neue Gasheizung. 
Mieter profitieren von niedrigeren laufenden Kosten und stabilen Wärmepreisen. Im Vergleich zu fossilen Heizsystemen liegen die Wärmekosten im ersten Jahr durchschnittlich etwa fünf bis sechs Prozent niedriger, über die Laufzeit von 15 Jahren sparen sie durch die Entkopplung von steigenden Preisen fossiler Brennstoffe weitere Heizkosten. 

Welchen langfristigen Service erhalten Vermieter und Mieter? 
Nils Bartig: Wir übernehmen die vollständige Wärmeversorgung über 15 Jahre: Dazu gehören 15 Jahre ‘Wärmelieferungsgarantie’ – also auch ein kostenfreier Ersatz bei Ausfall der Anlage, ebenso wie ein ‘24/7’-Monitoring und Notdienst über ein Fernwartungsportal, die Wartung, Instandhaltung und Störungsmanagement sowie stabile, transparente Wärmepreise über die gesamte Laufzeit. Für Vermieter bedeutet das: kein technisches Risiko und kein Betriebsaufwand. Für Mieter bedeutet das eine verlässliche Wärmeversorgung, eine transparente Abrechnung und einen klaren Ansprechpartner. 

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit Sie in ein Projekt einsteigen? 
Nils Bartig: Wir fokussieren uns auf Bestandsmehrfamilienhäuser, mit typischerweise fünf oder mehr Wohneinheiten. Wir schauen uns dabei jede Immobilie an und prüfen diese auf Wärmepumpeneignung. Dabei decken sich unsere Erfahrungen auch mit den Aussagen aus dem Techem Atlas für Energie, Wärme und Wasser 2025: rund 50 Prozent aller Mehrfamilienhäuser sind direkt für Wärmepumpen geeignet, mit einem Heizkörpertausch sogar 90 Prozent aller Mehrfamilienhäuser. 

Warum halten Sie das Modell für gut standardisierbar? 
Nils Bartig: Das Modell ist gut standardisierbar, zum einen, weil die technische Planung und Auslegung überwiegend über den Hersteller erfolgt, zum anderen, weil sich in Mehrfamilienhäusern ähnliche hydraulische Grundstrukturen wiederfinden, sodass Hydraulikschemata wiederverwendet werden können. Zudem sind die Prozesse rund um Planung, Förderung, Betrieb und Abrechnung klar definiert und standardisierbar und die gewerbliche Wärmelieferung bietet einen etablierten und rechtssicheren Rahmen. 
Für die Umstellung hunderttausender Mehrfamilienhäuser müssen sehr große Investitionsvolumina mobilisiert werden – das kann und wird kein einzelner Marktteilnehmer alleine leisten. Wir sehen vaestro als Teil dieses Ökosystems und wünschen uns ausdrücklich mehr Unternehmen, die die Wärmewende im Bereich Mehrfamilienhäuser mit uns voranbringen. 

Zu den Interviews der weiteren ausgezeichneten Projekte: 

Konzept 1: Klimaneutrale Wohnungsgesellschaft als Vorbild 

Konzept 3: Zweistufiges Wärmepumpensystem mit Temperatureinstellung in der Wohnung 

Zur Initiative „Heizkeller der Zukunft”