Modernes zweigeschossiges Gebäude mit großen Fenstern und jungen Bäumen im Vordergrund.

Pressemappe

Energieeffziente Nichtwohngebäude in NRW

Landesprogramm will mehr Kitas, Schulen und Bürogebäude energetisch optimieren

Pressemappe mit Informationen, Pressebildern und weiteren Materialien

In der digitalen Pressemappe finden Medienvertreterinnen und -vertreter Presseinformationen zum Auszeichnungsprogramm „Energieeffiziente Nichtwohngebäude in NRW“, das von NRW.Energy4Climate im Namen der NRW-Landesregierung ausgerichtet wird. Im Interview erklärt NRW-Wirtschafts- und Klimaschutzministerin Mona Neubaur, warum energieeffiziente Gebäude gerade jetzt wichtig sind. Interviews mit einem Jurymitglied und zwei Preisträgern geben tiefere Einblicke, welche Vorteile das Programm bietet und wie Projekte umgesetzt wurden.

Bitte beachten: Die Pressebilder dürfen nur im Rahmen der aktuellen Berichterstattung zu Auszeichnungen von Nichtwohngebäuden und unter Nennung des Copyrights genutzt werden. 

Nichtwohngebäude energieeffizient zu bauen und zu sanieren ist ein zentraler Baustein für das Erreichen der Klimaschutzziele. In Nordrhein-Westfalen werden von rund 460.000 beheizten Nichtwohngebäuden wie Bildungseinrichtungen und Bürogebäuden noch rund 75 Prozent mit Öl und Gas beheizt, lediglich 15 Prozent mit Erneuerbaren Energien. Aus vielen Gründen verfügen diese Gebäude sowohl im Neubau als auch in der Sanierung über ein hohes energetisches Optimierungspotenzial: Aufgrund ihrer Gebäudegröße sowie ihrer spezifischen Nutzung und Ausstattung ist der Energiebedarf im Nichtwohngebäudebereich in der Regel sehr hoch – somit kann auch viel Energie eingespart werden. 

Energieeffizienzmaßnahmen in Nichtwohngebäuden umzusetzen, ist aufgrund spezifischer Anforderungen an Raumklima, Beleuchtung, Belüftung oder technische Ausstattung oft herausfordernd und anspruchsvoll. Deshalb hat das Land Nordrhein-Westfalen zur Unterstützung und als Anreiz das Auszeichnungsprojekt „Energieeffiziente Nichtwohngebäude in Nordrhein-Westfalen“ ins Leben gerufen, das die Sichtbarkeit erfolgreich umgesetzter Projekte erhöht, zur Nachahmung anregt und das Engagement aller Beteiligten würdigt.  

Erfahrungen von Planenden, Eigentümern und Nutzenden sollen dabei zugänglich gemacht werden und Inspiration liefern. Ziele und Anforderungen werden hier näher beschrieben. Für die vom Land Nordrhein-Westfalen ausgezeichneten Projekte steht zudem eine Förderung für ein Energiemonitoring nach der Förderrichtlinie „progres.nrw – Programmbereich Klimaschutztechnik zur Verfügung. 

Insgesamt 35 vorbildliche Projekte wurden seit Mai 2019 durch eine Fachjury ausgezeichnet, seit 2022 begleitet die Landesgesellschaft NRW.Energy4Climate den Bewerbungsprozess. Die Projekte werden in dieser Broschüre ausführlich vorgestellt.

Auch 2026 können sich jederzeit Eigentümerinnen und Eigentümer sowie Investoren und ihre Planer, die Gebäude besonders ambitioniert klimafreundlich sanieren oder neu bauen wollen, mit ihrem Projekt bei NRW.Energy4Climate bewerben. 

Warum ist es gerade jetzt wichtig, in energieeffiziente Gebäude zu investieren?
Mona Neubaur: Die Krisen und Konflikte unserer Zeit haben uns eines klar vor Augen geführt: Wer auf fossile Energie setzt, macht sich abhängig und verwundbar. Das wollen wir ändern. Erneuerbare Energien, effizientes Bauen und Sanieren – das ist unser Weg zu mehr Unabhängigkeit und Stabilität. Konkret bedeutet das: Heizkosten, die nicht mehr durch die Decke schießen, und ein Zuhause oder Gebäude, das dauerhaft bezahlbar bleibt. Wer heute in Energieeffizienz investiert, schützt seinen Geldbeutel und steigert gleichzeitig den Wert seiner Immobilie. Das ist kein Luxus – das ist ökonomisch klug. 

Was haben Immobilieneigentümer von der Auszeichnung?
Die Auszeichnung „Energieeffiziente Nichtwohngebäude in NRW“ ist ein klares Signal nach außen: Hier wird Verantwortung übernommen – für das Klima, für die Nutzerinnen und Nutzer und für die Zukunft. Ob Schule, Kita, Krankenhaus oder Bürogebäude – wer ausgezeichnet wird, zeigt, dass nachhaltiges Handeln funktioniert. Und es gibt einen ganz praktischen Vorteil: Die Auszeichnung eröffnet den Zugang zu Fördermitteln, etwa für das Energiemonitoring über unser Landesprogramm progres.nrw. Das zahlt sich aus. 

Warum legt die Auszeichnung neben der Energieeffizienz auch Wert auf technische Innovation?
Smarte Steuerungen, moderne Licht- und Lüftungstechnik – diese Technologien sind längst kein Zukunftsmärchen mehr, sie sind Realität. Und sie werden immer besser und günstiger. Ein gut vernetztes Gebäude spart nicht nur Energie, es ist auch komfortabler für alle, die darin arbeiten oder lernen. Wer jetzt in solche Technologien investiert, profitiert doppelt – durch Einsparungen und durch attraktive Förderangebote, die den Einstieg leichter machen als je zuvor.  

Wie wichtig ist die architektonische Gestaltung des Umfelds?
Gebäude sind keine Inseln. Sie prägen das Stadtbild, beeinflussen das Klima in der Nachbarschaft und wirken täglich auf die Menschen, die sie nutzen. Deshalb schauen wir bei der Auszeichnung nicht nur auf Dämmwerte und Technik, sondern auch auf die Frage: Wie gut fügt sich das Gebäude in sein Umfeld ein? Trägt es zu einer lebenswerten, funktionalen Umgebung bei? Nachhaltigkeit bedeutet für uns mehr als Energiesparen – es geht um Qualität, die man spürt. 

Unter den Bewerbungen sind aktuell mehr Neubauten als Sanierungsprojekte. Warum sind bei letzteren Anregungen und Vorbilder besonders wichtig?
Abreißen und neu bauen klingt manchmal einfacher – ist es aber nicht. Ein Neubau verbraucht enorme Mengen an Ressourcen und Energie, schon bevor der erste Mensch das Gebäude betritt. Bei einer Sanierung hingegen wird das genutzt, was schon da ist. Das schont Rohstoffe, spart CO2 und erhält oft auch historisch wertvolle Bausubstanz und gewachsene Stadtstrukturen. Das Potenzial ist riesig – gerade in NRW mit seinem reichen Gebäudebestand. Deshalb brauchen wir Vorbilder, die zeigen: Sanierung lohnt sich, sie ist möglich, und sie kann richtig gut aussehen. Jedes ausgezeichnete Sanierungsprojekt ist eine Einladung zum Nachmachen. 

Patrick Jung war als Energieingenieur an der Planung der Gotenschule in Bonn beteiligt, die 2004 die Auszeichnung erhielt, und wurde 2025 zusätzlich als Jury-Mitglied benannt. Er ist geschäftsführender Gesellschafter bei der Ingenieurbüro Jung Eco Building Solutions GmbH. 

Welche Kriterien sind aus Ihrer Sicht maßgeblich, um Projekte hinsichtlich einer Auszeichnung als „Energieeffizientes Nichtwohngebäude in NRW” zu bewerten?
Patrick Jung: Da wäre zunächst das Ziel zu nennen, die Anforderungen ambitioniert zu gestalten und gleichzeitig mit praktikablen Lösungen wirtschaftlich erfüllbar. Dabei müssen wir das Augenmerk auf geringe Emissionen von klimaschädlichen Gasen legen, zunächst solche, die während des Betriebs entstehen und dann auf die aus dem Bauprozess. Ich finde, ein Projekt ist es wert, ausgezeichnet zu werden, wenn es die Ziele des Pariser Abkommens respektiert oder übererfüllt. 

Welche innovativen Gebäudestandards und Versorgungslösungen halten Sie für besonders zukunftsfähig und warum?
Der wünschenswerte Gebäudedämmstandard ist auf einem Niveau, auf dem die Effektivität sehr gut ist. Hohe Standards bei der Gebäudehülle sind in der Baupraxis angekommen, sodass ein guter Komfort, eine gute sommerliche Performance und ein sparsamer Heizenergiebedarf machbar sind. Für die Erzeugung sehe ich alle Arten von Wärmepumpen, kombiniert mit Fernwärme wo verfügbar als optimalen Weg. Und die dezentrale verbrauchernahe Erzeugung von photovoltaischem Strom ist unbedingt weiter auszubauen, weil wirtschaftlich und netzdienlich. 

Welche Rolle spielt Ihrer Meinung nach das Energiemonitoring im laufenden Betrieb eines Nichtwohngebäudes?
Eine zentrale Rolle. Die Erwartungen an ein Projekt können nur erfüllt werden, wenn das Gebäude mängelfrei hergestellt und korrekt geregelt und gesteuert wird. 
Wir können in der Planung hier sehr genaue Vorstellungen und Anforderungen benennen, weil wir Gebäude und deren Performance simulieren können. Diese virtuelle Betriebserfahrung muss durch qualitätssichernde Maßnahmen wie Monitoring und Troubleshooting eine reale Betriebserfahrung werden. Denn Klimaschutz auf dem Papier verbessert unser Klima nicht. 

Die Brüggemann Holzbau GmbH ist sowohl Bauherr als auch das umsetzende Holzbauunternehmen für das Brüggemann-Bürogebäude. 2023 hat die Brüggemann Holzbau GmbH ihren Standort in Neuenkirchen um ein nachhaltiges Büro- und Verwaltungsgebäude sowie eine Fertigungshalle für 3D-Holzmodule erweitert. Das neue dreigeschossige Bürogebäude mit 70 Arbeitsplätzen zeichnet sich durch eine markante Architektur und eine besonders nachhaltige Bauweise aus. Es wurde vollständig aus vorgefertigten Holzmodulen errichtet, die eine hohe Energieeffizienz und Umweltverträglichkeit gewährleisten. Interview mit Geschäftsführungsmitglied Werner Hansmann. 

Welche Ziele verfolgt Ihr Unternehmen, und inwiefern wurden diese durch die Auszeichnung „Energieeffizientes Nichtwohngebäude in NRW“ bestätigt?
Werner Hansmann: Wir möchten mit unserem eigenen Bürogebäude beispielhaft zeigen, dass höchste Energieeffizienz, CO2-reduzierte Materialkonstruktionen und moderne Bauprozesse mit hohem Vorfertigungsgrad ideal zusammenspielen können. Die Auszeichnung bestätigt diesen Anspruch eindrucksvoll. 
Besonders die Rückmeldungen unserer Kunden bei Besuchen vor Ort zeigen uns, dass die Qualitäten einer modernen, energieeffizienten Holzbauarchitektur erst im unmittelbaren Erleben wirklich greifbar werden – und nachhaltig überzeugen. 

Warum steht Ihrer Meinung nach der planerische und bauliche Aufwand in einem verträglichen Verhältnis zu den späteren Energieeinsparungen? Das Projekt hat deutlich gemacht, dass eine frühzeitige, klare und ambitionierte Zieldefinition die entscheidende Grundlage für eine erfolgreiche Umsetzung ist. Unser Holzrahmenbau erlaubt es zudem, eine leistungsfähige Gebäudehülle ohne zusätzlichen Planungsaufwand zu realisieren. Durch die rechtzeitige Festlegung der Energieversorgung und der TGA konnten wir alle Projektbeteiligten – von den Planern bis zu den Nachunternehmern – gezielt einbinden und effizient durch den Prozess führen. 

Welche Empfehlungen würden Sie anderen Bauherren geben, die ebenfalls eine Auszeichnung als „Energieeffizientes Nichtwohngebäude in NRW“ anstreben? 
Bauherren sollten zu Projektbeginn klar definieren, welche energetische Qualität sie erreichen möchten – und ob die Energieversorgung auf nachhaltigen Quellen basieren soll. Wenn die Tragstruktur überwiegend oder vollständig aus Holz bestehen soll, empfiehlt es sich zudem, früh einen Holzbau-Generalunternehmer einzubinden. Das erhöht die Planungssicherheit und senkt die Kosten. 

Steckbrief zum Gebäude unter: Auszeichnung Nichtwohngebäude - NRW.Energy4Climate

Bereits zwei Projekte der Stadt Aachen wurden als „Energieeffiziente Nichtwohngebäude in NRW“ ausgezeichnet: die Kita Stettiner Straße in Massivbauweise aus Beton und Mauerwerk aus dem Jahr 2020 und die Kita Breitbenden, die 2026 fertig werden soll. Interview mit Leonidas Papadopoulos, Gebäudemanagement der Stadt Aachen. 

Welche Ziele hat sich die Stadt Aachen auf dem Weg zum klimaneutralen Gebäudebestand gesetzt, und welche Rolle spielt die kommunale Vorbildfunktionen bei der Umsetzung Ihrer Projekte? 
Leonidas Papadopoulos: Die Stadt Aachen hat mit diesen Vorhaben einen Paradigmenwechsel zum „Bauen mit Zukunft“ vollzogen und gleichzeitig einen bedeutenden Beitrag zum klimaneutralen Gebäudebestand geleistet. Wir freuen uns sehr, dass zwei Kitas der Stadt Aachen ausgezeichnet wurden. Die Kita Breitbenden ist die erste städtische Einrichtung, die als nachhaltiger Bau zertifiziert wird. Erstmals wurden hierfür sowohl eine Ökobilanz als auch eine Lebenszykluskosten-Berechnung erstellt. Die Gebäudekonstruktion wird so gut wie klimaneutral errichtet. Zudem wurde ein Materialkataster für alle Bauteile und Materialien des Neubaus angelegt. 

Die kommunale Vorbildfunktion spielte bei der Umsetzung der Projekte eine zentrale Rolle. Bisher etabliertes Planungsdenken wurde hinterfragt, notwendige neue Wege für den Schritt in die Zukunft wurden bei der Wahl von Bauweisen beschritten, unterstützt durch einen begleitenden Zertifizierungsprozess. Ziel ist es, ein architektonisches Bauwerk und einen Ort zu schaffen, der nachhaltig, zukunftsorientiert und „enkeltauglich“ ist. Wir würden uns sehr freuen, wenn andere Kommunen oder private Bauherren durch dieses Beispiel ermutigt und motiviert werden. 

Welche Besonderheiten der beiden Aachener Kitas stellen aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen dar, und würden Sie sich wieder für die gewählten Lösungen entscheiden? 
Die größte Herausforderung war der aufgeschüttete Baugrund. Es wurde eine Gründung auf einem freitragenden Balkenrost ausgeführt, der punktuell über tiefe Betonplomben auf die gewachsene Baugrundoberseite gegründet ist. Der restliche Baukörper wurde in Massivmodulbauweise hergestellt. Wir würden uns wieder für die gewählte Lösungen entscheiden. 

Die größte Herausforderung bestand darin die Kita aus Vollholz in einer „Erdbebenzone 3“ zu errichten. Aufwendige statische Details und eine präzise Ausführungsarbeit waren erforderlich. Als Pilotprojekt der Stadt Aachen mit dem Ziel „neue Wege“ zu erkunden hat diese besondere Bauweise ihre volle Berechtigung. 

Können Sie sich vorstellen, sich mit kommenden Projekten erneut für die Auszeichnung zu bewerben? 
Ja, auf jeden Fall. 

Steckbriefe zu beiden Kitas unter: Auszeichnung Nichtwohngebäude - NRW.Energy4Climate 

Ihr Pressekontakt

Janne Hauke

Janne Hauke

Leiterin Kommunikation

Alexandra Hahn

Alexandra Hahn

Referentin Kommunikation