Praxisbeispiel

Heizen und Kühlen mit Seewasser

Baggersee in Düsseldorf wird zur Energiequelle

99,5 %

regenerative Wärmedeckung für den Campus

Ihr Kontakt

Lucas Nitsche

Lucas Nitsche

Projektmanager Wärme & Gebäude

Dr. Joachim Frielingsdorf

Dr. Joachim Frielingsdorf

Referent Kommunikation

Mit dem EUREF-Campus in Düsseldorf entstand ein Innovationsquartier für die Zukunftsfelder Energie, Mobilität und Klimaschutz. Auf rund 80.000 Quadratmetern Büro- und Eventfläche finden etwa 3.500 Beschäftigte Platz. Kern des nachhaltigen Energiekonzepts ist die thermische Seewassernutzung des benachbarten Lichtenbroicher Baggersees zur Wärme- und Kälteversorgung.

Während Seethermie in Deutschland bislang vor allem an großen, gefluteten Tagebaurestseen erprobt wird, zeigt der EUREF-Campus Düsseldorf, wie sich die Technologie an einem innerstädtischen Baggersee nutzen lässt, und zwar für die kombinierte Wärme- und Kälteversorgung eines ganzen Quartiers.

Das Seewasser wird über zwei Tiefenlagen in 5,7 Metern und 11,6 Metern entnommen und gelangt über einen Seiher von der Seewasserstation in einen Wärmetauscher. Dieser entzieht dem Wasser im Winter Wärme und gibt im Sommer Wärme an das Wasser ab. Mit einer Temperaturdifferenz von rund 2 bis 5 °C fließt es danach in den See zurück. Der Baggersee wird auf diese Weise im Winter zur Wärmequelle und im Sommer zur Wärmesenke. 

Auf dieser Basis lässt sich der überwiegende Teil des Wärme- und Kältebedarfs des Campus effizient und ressourcenschonend bereitstellen. Die Wärmepumpen erreichen eine Leistung von 2.897 Kilowatt, die Kühlleistung liegt bei 2.797 Kilowatt.

Das System wurde dabei nicht als monolithische Einzellösung geplant, sondern als integrierte Versorgungsarchitektur mit technischer und betrieblicher Redundanz. Die Fernwärme übernimmt hier eine wichtige Funktion zur Absicherung und Ergänzung des Gesamtsystems. Sie schafft Resilienz, erhöht die Versorgungssicherheit und stellt sicher, dass auch bei Lastspitzen, Betriebsunterbrechungen oder besonderen Betriebssituationen jederzeit eine verlässliche Wärme- und Kälteversorgung gewährleistet ist.

Eine weitere, innovativ genutzte Energiequelle ist die Sonne. Über PV-Anlagen stellt sie ganzjährig Strom für den Eigenverbrauch bereit und ergänzt damit die seethermische Versorgung.

„Der Innovationscampus zeigt, wie aus partnerschaftlicher Zusammenarbeit konkrete Lösungen für die Energieinfrastruktur der Zukunft entstehen. Entscheidend ist für uns, Kompetenzen zu bündeln, voneinander zu lernen und gemeinsam neue Ansätze in die Praxis zu bringen.“

Dennis Scharbert, Leiter strategischer Vertrieb Energiedienstleistung B2B Stadtwerke Düsseldorf AG

Fazit

Das Projekt zeigt, wie sich urbane Gewässer als regenerative Quelle zum Heizen und Kühlen von Gebäuden und Quartieren nutzen lassen. Entscheidend ist dabei nicht die technologische Innovation allein, sondern das Zusammenspiel mehrerer Faktoren: eine regenerative Quelle, eine redundant ausgelegte Systemarchitektur und eine rechtssichere Genehmigung.

Der EUREF-Campus Düsseldorf steht damit beispielhaft für eine neue Generation urbaner Energieversorgung: integriert, resilient, genehmigungsfähig und ökologisch verantwortbar. 

Ihr Kontakt

Lucas Nitsche

Lucas Nitsche

Projektmanager Wärme & Gebäude

Dr. Joachim Frielingsdorf

Dr. Joachim Frielingsdorf

Referent Kommunikation