Mit dem EUREF-Campus in Düsseldorf entstand ein Innovationsquartier für die Zukunftsfelder Energie, Mobilität und Klimaschutz. Auf rund 80.000 Quadratmetern Büro- und Eventfläche finden etwa 3.500 Beschäftigte Platz. Kern des nachhaltigen Energiekonzepts ist die thermische Seewassernutzung des benachbarten Lichtenbroicher Baggersees zur Wärme- und Kälteversorgung.
Während Seethermie in Deutschland bislang vor allem an großen, gefluteten Tagebaurestseen erprobt wird, zeigt der EUREF-Campus Düsseldorf, wie sich die Technologie an einem innerstädtischen Baggersee nutzen lässt, und zwar für die kombinierte Wärme- und Kälteversorgung eines ganzen Quartiers.
Das Seewasser wird über zwei Tiefenlagen in 5,7 Metern und 11,6 Metern entnommen und gelangt über einen Seiher von der Seewasserstation in einen Wärmetauscher. Dieser entzieht dem Wasser im Winter Wärme und gibt im Sommer Wärme an das Wasser ab. Mit einer Temperaturdifferenz von rund 2 bis 5 °C fließt es danach in den See zurück. Der Baggersee wird auf diese Weise im Winter zur Wärmequelle und im Sommer zur Wärmesenke.
Auf dieser Basis lässt sich der überwiegende Teil des Wärme- und Kältebedarfs des Campus effizient und ressourcenschonend bereitstellen. Die Wärmepumpen erreichen eine Leistung von 2.897 Kilowatt, die Kühlleistung liegt bei 2.797 Kilowatt.
Das System wurde dabei nicht als monolithische Einzellösung geplant, sondern als integrierte Versorgungsarchitektur mit technischer und betrieblicher Redundanz. Die Fernwärme übernimmt hier eine wichtige Funktion zur Absicherung und Ergänzung des Gesamtsystems. Sie schafft Resilienz, erhöht die Versorgungssicherheit und stellt sicher, dass auch bei Lastspitzen, Betriebsunterbrechungen oder besonderen Betriebssituationen jederzeit eine verlässliche Wärme- und Kälteversorgung gewährleistet ist.
Eine weitere, innovativ genutzte Energiequelle ist die Sonne. Über PV-Anlagen stellt sie ganzjährig Strom für den Eigenverbrauch bereit und ergänzt damit die seethermische Versorgung.