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Universitätsklinikum Bonn auf dem Transformationspfad

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Interview: Wie das UKB den Transformationsprozess zur Treibhausgasneutralität mit seiner Stabsstelle Nachhaltigkeit angeht

Ob Lüftung, Kühlung oder stromintensive Geräte – Krankenhäuser gehören zu den Unternehmen mit dem höchsten Energieverbrauch überhaupt: Rein rechnerisch benötigt ein Klinikbett laut der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) so viel Energie wie zwei durchschnittliche Einfamilienhäuser. Den Strom- und Wärmeverbrauch zu senken, verbessert daher Klimabilanz und Wirtschaftlichkeit zugleich. Nicht zuletzt zeigen aktuelle Hitzewellen mit Temperaturen mehrfach über 40 Grad, wie dringlich Anpassungen sind, um eine gute gesundheitliche Versorgung sicherzustellen. 

Das Universitätsklinikum Bonn (UKB) mit rund 38 Kliniken, 31 Instituten und etwa 9.500 Beschäftigten geht dieses Thema strategisch mit einem Klimatransformationsplan an. Ziel ist, sowohl die medizinische Versorgungssicherheit als auch die Zukunftsfähigkeit der Spitzenmedizin nachhaltig zu gewährleisten. Bis spätestens 2045 soll die betriebliche Treibhausgasneutralität erreicht sein. Unterstützung erhält die Klinik durch eine Bundesförderung.

Im Interview berichten Dr. André Gützloe, Leiter der Stabsstelle Nachhaltigkeit, sowie Dr. Julia Meis-Harris, Nachhaltigkeitsmanagerin, über das Vorgehen im Transformationsprozess.

Welche Rolle spielt die Gründung der Stabsstelle Nachhaltigkeit für die Transformationsziele Ihrer Klinik? 
Dr. André Gützloe: Der Vorstand hat früh und vorausschauend entschieden, Klimaschutz nicht als Projekt zu behandeln, sondern als zentralen Teil der Unternehmenssteuerung. Deshalb haben wir eine Stabsstelle mit direkter Vorstandsanbindung und Zugriff auf alle Bereiche geschaffen. Genau diese Konstruktion empfehlen auch einschlägige Gutachten: Sie ist die Voraussetzung dafür, dass Klimaschutz nicht in den Bereichen versickert. Das Thema muss schlicht Chefsache sein, also Sache der Leitung des Klinikums. Als Uniklinik haben wir zudem eine klare Vorbildfunktion für die Hochleistungsmedizin in NRW. Und es ist schlicht ökonomische und regulatorische Notwendigkeit: Eine Treibhausgasbilanz ist für die Nachhaltigkeitsberichterstattung unerlässlich und inzwischen auch für Kreditverhandlungen mit Banken ein entscheidender Faktor. 

Ein so großes Unternehmen wie das UKB ist eine sehr wichtige Stellschraube im Rahmen der Klimaschutzstrategie des Landes NRW. Für unseren Transformationsplan nutzen wir gezielt die Förderung aus dem EEW-Modul 5 der Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz und richten unsere Strategie damit an den Vorgaben des Bundes aus. Das bedeutet konkret: Treibhausgasneutralität bis 2045 und mindestens 40 Prozent Reduktion in den ersten zehn Jahren.

Es gibt bereits zahlreiche Aktivitäten an Ihrem Klinikum zum Klimaschutz – wie bündelt der Transformationsplan das jetzt? 
Gützloe: Das UKB baut hier auf einem sehr starken Fundament auf: Viele erfolgreiche Maßnahmen, vom Ausbau der E-Ladeinfrastruktur bis zur nachhaltigeren Klinikverpflegung, entstanden schon in den vergangenen Jahren durch das Engagement der einzelnen Bereiche und engagierten Mitarbeitenden. Unsere Aufgabe als Stabsstelle ist es nun, diese wertvollen Vorarbeiten strategisch zu bündeln, in eine klare Governance zu überführen und ihre Wirkung für einen nachhaltigen Campusbetrieb gezielt zu steigern. 

Der Transformationsplan liefert erstmals eine umfassende Treibhausgasbilanz zum Basisjahr 2025 für das Klinikum und die Tochtergesellschaften hinweg und leitet daraus einen konkreten Maßnahmenpfad ab. Das bewahrt uns vor allem auch vor Fehlinvestitionen und sichert unsere finanziellen Handlungsspielräume. Da Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Klimaanpassung Hand in Hand gehen, lassen wir parallel eine Klimarisikoanalyse erstellen. Denn Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels, etwa ein wirksamer Hitzeschutz, kommen Patientinnen, Patienten und Mitarbeitenden unmittelbar zugute. Sie tragen dazu bei, den Klinikbetrieb, auch bei extremen Wetterereignissen wie Starkregen oder Sturm, zuverlässig aufrechtzuerhalten.

Dr. Julia Meis-Harris: Ergänzend dazu betrachten wir die gesamte Wertschöpfungskette – von den direkten Emissionen des Klinikbetriebs bis hin zu den indirekten Emissionen in Scope 3. Uns ist wichtig, bestehende Aktivitäten nicht nur zu erfassen, sondern Fortschritte messbar und Erfolge sichtbar zu machen. Das stärkt die Anerkennung für das Engagement der Teams vor Ort und hält die Motivation über den langen Zeitraum bis 2045 hoch.

Konkret begleiten beispielsweise Kolleginnen und Kollegen die Reduktion klimaschädlicher Narkosegase wissenschaftlich. In anderen Projekten prüfen wir Recyclingkonzepte für medizinische Einmalprodukte oder Handtuchpapier. Der Transformationsplan verbindet all diese Bausteine zu einem gemeinsamen Weg.

Wie binden Sie Mitarbeitende jetzt mit ein und wie ist der Zeitplan? 
Meis-Harris: Wir haben eine zentrale Lenkungsgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern aus verschiedensten Bereichen des Klinikums eingerichtet, die das Projekt meilensteinbasiert begleitet und die strategischen Vorgaben der Klinikleitung in die Breite trägt. Genauso wichtig ist uns aber der direkte Draht in die Teams: Ab dem Herbst beziehen wir alle Bereiche gezielt ein, um praxistaugliche Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen in den Kliniken, Instituten und der Verwaltung zu erarbeiten. Der Transformationsplan selbst entsteht innerhalb von circa 12 Monaten. Die eigentliche Umsetzung ist jedoch ein gemeinsamer Marathonlauf bis 2045, der das UKB dauerhaft als zukunftsfesten Arbeitgeber und Gesundheitsversorger stärkt.

Wie läuft generell der Austausch zu Klimaschutzthemen unter den Kliniken in NRW und bundesweit? 
Meis-Harris: Die Nachhaltigkeitsmanagerinnen und -manager der NRW-Unikliniken tauschen sich regelmäßig aus, um voneinander zu lernen, von Best Practices über Förderprogramme bis zu gemeinsamen Projekten. Auch bundesweit sind wir eng vernetzt: Der Verband der Universitätsklinika veranstaltet quartalsweise Onlinetreffen mit Fachexpertinnen und -experten. 
Dieser Schulterschluss ist enorm wichtig, denn die Transformation des Gesundheitswesens gelingt nur, wenn wir das Rad nicht an jedem Klinikum neu erfinden. Und genau diese Vorreiterrolle nehmen wir als UKB gemeinsam mit den anderen Unikliniken aktiv ein.

Zum Hintergrund: 
NRW.Energy4Climate begleitet Unternehmen und Kommunen gezielt im Transformationsprozess. Auch im Gesundheitswesen unterstützt die Landesgesellschaft Krankenhäuser und Kliniken bei der strategischen Herangehensweise an die Transformation, beispielsweise mit Austauschformaten zum optimierten Einsatz erneuerbarer Energiequellen. Neben der Orientierung zu Förderprogrammen bieten Broschüren wie Transformationspläne für Gebäudeportfolios - Sanierung als Chance konkrete praktische Hilfestellung. Das Auszeichnungsprogramm Energieeffiziente Nichtwohngebäude in NRW macht zudem Vorreiter und Leuchtturmprojekte in NRW sichtbar.

 

Veranstaltungshinweis zum Thema:
06.10.2026 | Wie kann Energieeffizienz im Krankenhaus ganz praktisch umgesetzt werden? Exkursion ins St. Marien-Hospital Lüdinghausen