Das Projekt „Brauerei der Zukunft” präsentierte bei der Familienbrauerei MORITZ FIEGE in Bochum die Ergebnisse. Im Bild v.l.n.r.: Dr. Katharina Schubert (Geschäftsführerin NRW.Energy4Climate), Carla Fiege (Geschäftsführerin der Familienbrauerei MORITZ FIEGE), Dr. Peter Jahns (Geschäftsleiter Effizienz-Agentur NRW)

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Das Rezept für klimaneutrales Bier

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Erhitzen, Pasteurisieren, Sterilisieren und Reinigen – Brauereien benötigen große Mengen thermischer Energie im Brauprozess, die derzeit noch überwiegend mit Erdgas erzeugt wird. In NRW arbeiten Brauereien aber bereits daran, Bier künftig klimafreundlich und ressourcenschonend zu produzieren. Das Projekt „Brauerei der Zukunft” zeigte heute (30. September) bei der Familienbrauerei MORITZ FIEGE in Bochum, wie das geht. Die Ergebnisse können auch Unternehmen anderer Branchen mit ähnlichen Prozesstemperaturen bei Klimaneutralität, Ressourceneffizienz und Kosteneinsparungen helfen. 

Der Brauprozess gehört zu den energie- und ressourcenintensiven Produktionsprozessen. Viele der rund 130 Braustätten in NRW sind mittelständische Betriebe und besonders von Preisschwankungen bei fossilen Energieträgern betroffen. Wie Bier künftig klimaneutral und somit energie- und kosteneffizient hergestellt werden kann, zeigen sieben Brauereien aus Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit NRW.Energy4Climate und der Effizienz-Agentur NRW (efa) im Projekt „Brauerei der Zukunft“. 

Dr. Katharina Schubert, Geschäftsführerin der Landesgesellschaft NRW.Energy4Climate: „Bier ist gerade in Nordrhein-Westfalen ein hochgradig regionales und mittelständisches Produkt, prägt die Identität unserer Städte und Ortschaften mit und verbindet Menschen nicht nur in den großen Fußballstadien oder im Rheinischen Karneval. Egal ob Alt, Kölsch oder Pils, mit oder ohne Alkohol – eines ist allen Sorten gemein: Künftig müssen sie klimaneutral hergestellt werden. Um den Weg zu ebnen, haben sich sieben Brauereien hier in NRW in einem einzigartigen Projekt zusammengeschlossen, um gemeinsam mit der efa und uns Lösungen zu erarbeiten, die genau das ermöglichen sollen. Herausgekommen ist eine Rezeptur, die Brauereien – aber auch andere mittelständische Betriebe mit ähnlichen Prozesstemperaturen – dabei unterstützt, Effizienzpotenziale zu heben, Erneuerbare Energien einzusetzen, zu elektrifizieren und entsprechende Förderinstrumente zu nutzen.” 

Dr. Peter Jahns, Geschäftsleiter der Effizienz-Agentur NRW: „Die Brauereien haben in den vergangenen Jahren bereits viel im Sinne einer umweltschonenden Produktion realisiert, um Energie und Ressourcen effizienter einzusetzen – wodurch sich auch Kosten senken ließen. In der nun vorliegenden Publikationsreihe „Brauerei der Zukunft“ sind diese Umsetzungen und weitergehende Transformationsansätze zusammengetragen worden. Herausgekommen ist ein beispielgebendes Kompendium voller Praxiserfahrungen und konkreter Lösungsansätze.“ 

Vorreiter bereits auf dem Weg

Klimafreundliche Technologien stehen schon heute bereit – ob Wärmepumpen, Solar- und Geothermie oder Strom- und Wärmespeicher. Zudem können schnell umsetzbare Effizienzmaßnahmen bereits heute den Energie- und Ressourcenverbrauch senken. Das spart Kosten und steigert die Wettbewerbsfähigkeit. Die mitwirkenden Brauereien sind bereits auf dem Weg: Die Familienbrauerei MORITZ FIEGE nutzt ein CO2-Bilanzierungstool und spart beispielsweise mit einer Flaschenwaschmaschine für Bügelverschlussflaschen mehr als zwei Drittel Wasser und Strom sowie 50 Prozent Dampf im Vergleich zur alten Anlage ein. Auch die Effizienz in der Ausbringung konnte mit der neuen Anlage gesteigert und die Bedienungsfreundlichkeit für die Mitarbeitenden erhöht werden. Die Essener Privatbrauerei Jacob Stauder hat in eine stromsparende Abfüllanlage investiert und erzeugt eigenen Solarstrom. In Oelde reduziert die Pott’s Brauerei zusätzlich Emissionen mit lokal beschafften Rohstoffen, Wärmerückgewinnung und Energiespeichern. Auch die Privatbrauereien Ernst Barre aus Lübbecke, Strate aus Detmold und Hohenfelde aus Langenberg, die Erzquell Brauerei aus Wiehl-Bielstein und die Gehring-Bunte Getränkeindustrie aus Bielefeld wirken im Projekt „Brauerei der Zukunft“ mit und verfolgen ambitioniert den Weg zur Klimaneutralität.

Carla Fiege, Geschäftsführerin der Familienbrauerei MORITZ FIEGE: „Die Transformation unserer Energieversorgung und Produktionsprozesse ist für uns eine umfassende unternehmerische Aufgabe. CO₂-Äquivalente werden dabei zunehmend zu einer zusätzlichen Entscheidungsgröße – fast wie eine eigene Währung. Mit dem ecocockpit haben wir unsere CO₂-Bilanzierung auf eine einheitliche Grundlage gestellt und können CO₂-Treiber sowie konkrete Minderungspotenziale besser identifizieren. Gleichzeitig zeigt das Projekt „Brauerei der Zukunft“, wie wertvoll der Austausch zwischen den beteiligten Brauereien ist: Bei der Transformation unserer Branche verstehen wir uns als Partner, teilen Erfahrungen und lernen voneinander.“

Unterstützungsangebote für Unternehmen in Nordrhein-Westfalen

Die fünf aufeinander aufbauenden Publikationen begleiten produzierende Unternehmen aller Branchen bei jedem Schritt ihrer Transformation, von der ersten Emissionsbilanzierung über Effizienzmaßnahmen, der Wärmewende im Betrieb und einer zukunftsfähigen Stromversorgung bis zur passenden Finanzierung und Förderung. Die Publikationsreihe „Brauerei der Zukunft“ ist abrufbar unter diesem Link. Eine Vertiefung der Inhalte bietet am 08. Oktober auch die Online-Veranstaltung Climate Business Lunch. Die Effizienz-Agentur NRW unterstützt Brauereien darüber hinaus mit ihrem Beratungsangebot bei der Entwicklung und Umsetzung ressourcenschonender Prozesse, Produkte und Geschäftsmodelle. Mit der neuen Webinarreihe „Prozesswärme pragmatisch - Mit Struktur zur klimaneutralen Prozesswärme“ unterstützt NRW.Energy4Climate zudem ab dem 06. November alle Branchen beim zukunftsfesten Management ihrer Prozesswärmebedarfe. 

Pressefotos stehen ab 14:00 Uhr an dieser Stelle zur Verfügung.