| Pressemitteilung
Wie heizt man eine komplette Altstadt ohne teure Energieimporte? Wie betreibt man Kläranlagen klimaneutral und kostengünstig? Und wie kann eine Stadt ihr Fernwärmenetz resilienter machen? Für innovative Lösungen auf Fragen wie diese erhalten die Kommunen Dülmen, Minden, Wuppertal, Greven und Warendorf den European Energy Award.
Josef Hovenjürgen, Parlamentarischer Staatssekretär im Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes NRW und Christian Mildenberger, Geschäftsführer von NRW.Energy4Climate, haben die Auszeichnung am Donnerstag (10. September) auf dem Kommunalkongress NRW überreicht.
„Starke Kommunen bedeuten ein starkes Nordrhein-Westfalen“, so Staatssekretär Josef Hovenjürgen bei der Verleihung. „Die Landesregierung stärkt den Kommunen den Rücken auf ihrem Weg zur Klimaneutralität. Denn Klimaschutz lebt von der Umsetzung vor Ort.“
„Die ausgezeichneten Kommunen zeigen: Wer die Energiewende vor Ort konsequent umsetzt, stärkt die eigene Handlungsfähigkeit“, sagt Geschäftsführer Christian Mildenberger. „Kommunaler Klimaschutz macht Städte und Gemeinden widerstandsfähiger, schafft mehr Planungssicherheit bei Energiekosten und kann Haushalte langfristig entlasten. Vorreiter wie Dülmen, Minden, Wuppertal, Greven oder Warendorf zeigen, wie Klimaschutz den Alltag der Menschen verbessert.“
Vom European Energy Award zur Klimakommune Deutschland
Der internationale European Energy Award ist ein Qualitätsmanagement- und Zertifizierungsverfahren für den kommunalen Klimaschutz, das seit mehr als 20 Jahren bestand und auf dem Kommunalkongress zum letzten Mal in NRW verliehen wurde.
Ab sofort steht ein neues Zertifizierungsprogramm zur Verfügung, das nahtlos anknüpft. Die nordrhein-westfälischen Kommunen können sich als Klimakommune Deutschland zertifizieren lassen und so den Erfolg ihrer Klimaschutzmaßnahmen weiterhin messbar und sichtbar machen. Interessierte Kommunen finden bei NRW.Energy4Climate unter diesem Link Ansprechpersonen für das neue Programm.
Über die fünf ausgezeichneten Kommunen
Wuppertal ist Teil des Bergischen Städtedreiecks und treibt den Klimaschutz gemeinsam mit den Nachbarstädten Remscheid und Solingen voran. Die gemeinsame Entwicklung von Lösungen zeigt vorbildlich, wie regionale Zusammenarbeit die Wirksamkeit von Klimaschutzmaßnahmen steigern kann. Ein besonderes Vorzeigeprojekt ist das Stadion am Zoo: Auf dessen Dach ist eine Photovoltaikanlage, bei der 702 Solarmodule den Schriftzug „WUPPERTAL" bilden. Die Anlage produziert jährlich rund 255.000 Kilowattstunden Strom. Damit kann die Stadt die Hälfte des Strombedarfs des Stadions decken. Die Überschüsse verwendet sie zum Betrieb anderer städtischer Gebäude.
Dülmen hat unter anderem ein systematisches Energiemanagement etabliert, das die Energiekosten der kommunalen Verwaltung deutlich senkt. Außerdem baut die Stadt ihren Bahnhof zu einem multimodalen Verkehrsknotenpunkt aus, der den Umweltverbund aus Bahn- und Radverkehr stärkt. Kernstück ist ein zweistöckiges Fahrradparkhaus mit rund 700 Stellplätzen, das mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet ist. Die Dachbegrünung des Parkhauses sorgt im Sommer für ein angenehmeres Klima, indem sie einen Teil des Regenwassers zurückhält und so das Dach kühlt.
Minden lebt vor, wie Klimaschutz als Gemeinschaftsaufgabe von der gesamten Stadtverwaltung und den Bürgerinnen und Bürgern angegangen werden kann. Der Erfolgsfaktor: Mit dem Energie- und Wärmekonzept „Minden 2040" hat die Stadt die Grundlage für eine ganzheitliche Wärmewende geschaffen. Zur Umsetzung hat sie die Mindener Wärme GmbH gegründet. Dieses Gemeinschaftsunternehmen der Stadtwerke Minden und der Energieservice Westfalen Weser verantwortet die Erweiterung und den Betrieb des über 16 Kilometer langen Fernwärmenetzes. Ziel ist es, bis 2040 rund 30 Prozent des Stadtgebiets mit dekarbonisierter und von Importen unabhängiger Fernwärme zu versorgen.
Greven ist seit vielen Jahren Vorreiter im kommunalen Klimaschutz und schafft nachhaltige Strukturen in der kommunalen Praxis. Das Herzstück: Die Kläranlage in Greven-Reckenfeld ist kein hoher Energieverbraucher mehr, sondern läuft inzwischen nahezu energieautark. Durch Photovoltaikanlagen auf den Dächern und zwei Blockheizkraftwerke, die Faulgas aus der Klärschlammbehandlung verstromen, erzeugt die Anlage bilanziell mehr Strom als sie verbraucht. Das Projekt zeigt, wie Kläranlagen auch in anderen Kommunen effektiv und klimaneutral funktionieren können.
Die Stadt Warendorf bündelt ihre Aktivitäten im kommunalen Klimaschutz in einem umfassenden Strategieplan, der im April 2025 vom Stadtrat verabschiedet wurde. Ein Fluss steht im Zentrum: Mit dem Projekt „Emswärme" gewinnt Warendorf lokale, klimaneutrale Heizenergie direkt aus dem Wasser der Ems, die mitten durch die Stadt fließt. Vier Großwärmepumpen entziehen dem Flusswasser Wärme und speisen sie in ein neues Wärmenetz ein, das ab 2027 die historische Altstadt und weitere Stadtteile versorgen soll. Der benötigte Strom für die Wärmepumpen stammt aus regenerativen Quellen wie Windkraft, Photovoltaik und Biogasanlagen.
Die Verleihung fand auf dem Kommunalkongress NRW statt
In Nordrhein-Westfalen gibt es 396 Städte und Gemeinden und 31 Kreise – und damit jede Menge Raum, Klimaschutz auf lokaler Ebene zu gestalten. Mit dem Kommunalkongress NRW hat die Landesgesellschaft für Energie und Klimaschutz ein zentrales Angebot für die Kommunen geschaffen: Kommunalvertreterinnen und -vertreter aus ganz Nordrhein-Westfalen können sich hier jedes Jahr austauschen, vernetzen und gemeinsam den kommunalen Klimaschutz voranbringen. In diesem Jahr stand die Frage im Mittelpunkt, wie Klimaschutzmaßnahmen strategisch umgesetzt, gut priorisiert und digital nachgehalten werden können. Der Kommunalkongress NRW 2026 hatte rund 300 Teilnehmende.
Fotos der Verleihung stehen ab 14:00 Uhr an dieser Stelle zum Download zur Verfügung.
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