Praxisbeispiel

Zementregion Erwitte-Geseke:

Herausforderungen im Cluster begegnen

2,5 Millionen Tonnen

fossile CO2-Mengen werden mittels Oxyfuel-Verfahren jährlich abgeschieden

Ihr Kontakt

Dr. Iris Rieth-Menze

Dr. Iris Rieth-Menze

Kommissarische Bereichsleiterin Industrie & Produktion

Dr. Joachim Frielingsdorf

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Referent Kommunikation

Wie wird eine der energie- und emissionsintensivsten Branchen klimaneutral? Die Antwort kommt aus Erwitte-Geseke, wo fünf Zementwerke gemeinsam Lösungen für die Herausforderungen der klimaneutralen Transformation entwickeln.

2,7 Millionen Tonnen fossile und biogene CO2-Emissionen emittieren Heidelberg Materials, Dyckerhoff, Spenner, thomas Zement und Portlandzementwerk Wittekind in der Region Erwitte-Geseke pro Jahr. Allein zwei Drittel davon sind prozessbedingt und auch in Zukunft nicht vermeidbar. Damit stehen die Unternehmen zeitgleich vor zwei Herausforderungen: Um zukünftig klimaneutral produzieren zu können, müssen sie sowohl ihren ohnehin hohen Energiebedarf klimaneutral decken als auch eine CO2-Abscheidung zur Vermeidung der prozessbedingten CO2-Emissionen installieren. Anstatt einzeln nach Lösungen zu suchen, haben sich die Werke auf Initiative der jeweiligen Bürgermeister in einem beispiellosen Konsortium zusammengeschlossen.

 

Technologische Lösungen identifizieren und bewerten

Die Zusammenarbeit fokussierte sich in der ersten Phase auf die Suche nach geeigneten technologischen Lösungen für die CO2-Abscheidung. Sie bietet in der Zementindustrie den größten Hebel für die Reduzierung der CO2-Emissionen, ist jedoch mit zusätzlichem Energiebedarf verbunden und wird noch nicht in der Breite angewendet. Das Konsortium analysierte verschiedene Abscheidetechnologien unter Berücksichtigung der lokalen Gegebenheiten, der Energiebedarfe und ihrer Wirtschaftlichkeit, um so jeweils individuell passende Abscheidetechnologien zu identifizieren. In der Diskussion wurde deutlich, dass das Cluster unter anderem höhere Energiebedarfe in Form von Grünstrom haben wird.

Eigenenergieversorgung der Zementwerke

Um diese hohen Bedarfe zu decken, setzen die Unternehmen neben dem Grünstrombezug aus dem Netz auf Eigenstromerzeugung. So verstromt das Portlandzementwerk Wittekind Abwärme vom Klinkerbrennprozess, nutzt diesen Strom für den Betrieb der Anlagen und kann auf diese Weise bis zu 8.000 Megawattstunden Strom pro Jahr einsparen. Der Standort Geseke der Firma Dyckerhoff gewinnt durch einen ähnlichen Prozess zirka 1.300 Megawattstunden pro Jahr an elektrischer Energie. Die drei Erwitter Zementwerke planen gemeinsam und unterstützt von NRW.Energy4Climate die Errichtung von Windenergieanlagen als Folgenutzung ihrer Steinbrüche, während Heidelberg Materials im

Zuge des GeZero Projekts eine eigene Photovoltaikanlage errichtet, um rund sechs Megawatt peak des Eigenstrombedarfs zu decken.

Passende Technologien und abgeleitete Bedarfe kommunizieren

Die Technologiebewertung, die Ableitung der Bedarfe und die Analyse der Wirtschaftlichkeit mündeten in einem Projektbericht, der die Grundlage bildet, um sich in der zweiten Projektphase bei der Planung von Strominfrastrukturen positionieren zu können. Im Hinblick auf den erforderlichen Ausbau der regionalen Energieinfrastruktur konnten bereits erste Hürden genommen werden: So wird mit den Netzbetreibern ein regional-strategisches Vorgehen zum Ausbau der Netzanschlusskapazität (NAK) in Erwitte und Geseke vorabgestimmt. Zudem kann das Konsortium auf Grundlage des Berichtes die Dringlichkeit des Aufbaus einer CO2-Infrastruktur verdeutlichen und sich in die konzeptionellen Diskussionen zum Infrastrukturaufbau einbringen. Auch Ideen zu Transportoptionen für CO2 werden gemeinsam im Konsortium eruiert und mit Transportanbietern im Hinblick auf Bedarfe und lokale Herausforderungen diskutiert.

Fokus auf potenzielle Synergien setzen

Aus den Bedarfen wurden Handlungsoptionen für die zweite Projektphase in Form eines 7-Punkte-Programms abgeleitet. Dabei wurde deutlich: der Umstieg auf eine CO2-neutrale Anlagentechnologie ist von den Unternehmen der Region individuell zu bewältigen. Um eine geschlossene Prozesskette zur Abscheidung und Speicherung des CO2 aus der Zementregion zu realisieren, ist ein regionaler Aufbau bzw. die Anbindung an eine Energie- und CO2-Infrastruktur erforderlich. Außerdem wird eine flankierende Synchronisation der regionalen Transformation mit den politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen benötigt.

„Mit rund einem Drittel der bundesweiten Zementproduktion ist NRW ein zentraler Standort der Branche. Eine Branche mit hohen fossilen und biogenen CO2-Emissionen, von denen aber allein zwei Drittel unvermeidbare Prozessemissionen sind. Grund genug und begrüßenswert, sich zusammen zu tun, um sich gemeinsam auf den Weg Richtung klimaneutrale Zementregion zu machen. Die Unternehmen zeigen Lösungswege auf, wie Klimaschutz auch in energieintensiven Industrien durch neue Technologien und Prozesse gelingen kann.“

Dr. Iris Rieth-Menze, NRW.Energy4Climate

2,5 Millionen Tonnen

fossile CO2-Mengen werden mittels Oxyfuel-Verfahren jährlich abgeschieden

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Kommissarische Bereichsleiterin Industrie & Produktion

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