Der Stadtteil Bracht der Stadt Rauschenberg soll ab dem Jahr 2025 mithilfe eines solaren Wärmeversorgungssystems regenerativ versorgt werden. Mit einer Machbarkeitsstudie zur regenerativen Nahwärmeversorgung der Gebäude wurde bereits im Jahr 2015 der Grundstein für das Solardorf Bracht gelegt. Im Juli 2021 konnte das genossenschaftliche Projekt mit einer Bürgerinformationsveranstaltung zum technischen Wärmeversorgungskonzept dann schließlich gestartet werden.
Herausforderung
Mit rund 900 Einwohner:innen handelt es sich beim Solardorf Bracht um ein großes Versorgungsprojekt. Um hohe solare Deckungsanteile für den Gesamtwärmebedarf erreichen zu können, ist eine Speicherung der Sonnenenergie notwendig. Die saisonale Differenz des Wärmebedarfs in der Heizperiode und des Angebots der Sonnenenergie in den Sommermonaten soll mithilfe des Grubenspeichers gelöst werden. Das Nahwärmeversorgungskonzept benötigt eine solarthermische Freiflächenanlage mit einer Kollektorfläche von rund 12.900 m² und einen Grubenspeicher mit einem Volumen von 26.600 m³. Zusätzlich stellen auch die rund 180 Hausanschlüsse eine erhöhte Herausforderung dar.
Ziel des Projekts
Das Projekt soll dazu beitragen, den Einsatz von konventionellen Energieträgern und den Ausstoß von C02 für den Stadtteil Bracht zu reduzieren. Der Anteil von Erneuerbaren Energien bei der Wärmeversorgung soll erhöht und damit CO2-Einsparungen realisiert werden. Das Solarwärmeprojekt dient auch als Blaupause für andere Kommunen.
Besonderheit
Bei der Solarwärme Bracht eG handelte es sich um ein genossenschaftliches Projekt, bei dem die Bewohner:innen von Bracht selbst aktiv sind, um eine unabhängige und lokale Wärmeversorgung zu realisieren. Das Projekt wird in Eigenregie betrieben und aus Förderbeiträgen und privaten Mitteln bzw. Eigenkapital aus den Genossenschaftsanteilen finanziert. Das solare Wärmeversorgungskonzept besteht aus einer solarthermischen Freiflächenanlage, einem saisonalen Grubenspeicher, Wärmepumpen, einem Holzkessel und einem Pufferspeicher. Bei dem Saisonalspeicher handelt es sich um einen Grubenspeicher nach dänischer Bauart, die dort bereits verbreitet ist. Der Grubenspeicher wird ausschließlich mit der gewonnenen Wärme der solarthermischen Freiflächenanlage gespeist. Die eingebundenen Wärmepumpen nutzen den Saisonalspeicher im Winter als Wärmequelle und ermöglichen eine stärkere Abkühlung des Speichers und somit eine verbesserte Nutzung. Die Wärmepumpen und der Holzkessel bringen die Wärmeenergie mit einer Temperatur von bis zu 85 Grad Celsius in den 400 m³ Pufferspeicher, der die bereitgestellte Wärme auf dem Temperaturniveau des Nahwärmenetzvorlaufs speichert und dafür sorgt, dass die Wärmeerzeuger effizienter betrieben werden können. Durch die geschickte Kombination von Solarwärme und Bioenergie können die Vorteile beider Technologien ausgenutzt werden und Brennstoffe eingespart werden. Die ursprünglich auf Basis einer Machbarkeitsstudie entwickelte Planung wurde im laufenden Prozess stetig angepasst, sodass die nun genutzten Technologien zu 100 Prozent regenerativ sind.
Erfolge
Künftig wird die Wärmeversorgung im Solardorf Bracht zu 67 Prozent aus Sonnenenergie gespeist. Zudem machen der Einsatz von Holz für den Holzkessel und der Wärmepumpen weitere 25 Prozent bzw. 8 Prozent für die Wärmeversorgung aus. Die auftretenden CO2-Emissionen bei der Wärmeversorgung des Stadtteils Bracht werden zukünftig aufgrund des neuen Wärmenetzes um rund 80 Prozent reduziert werden können. Ein weiterer wichtiger Erfolgsfaktor ist die hohe Anschlussquote, die durch die genossenschaftliche Arbeit im Ort ermöglicht wurde. Die Genossenschaft hat aktuell bereits 200 Mitglieder, die ihre 177 Gebäude an das Wärmenetz anschließen werden. Die derzeitige Anschlussquote liegt bei rund 60 Prozent und soll weiter ausgebaut werden.