Über die E-Flotte zum eigenen Energiesystem
Um die Klimaziele Nordrhein-Westfalens, aber auch seine selbst gesteckten Nachhaltigkeitsziele möglichst schnell zu erreichen, geht ein Getränkefachgroßhändler aus Borken mit gutem Beispiel voran: Die Voßkamp GmbH stellt nicht nur ihre Flotte auf E-Trucks um, sondern baut gleich ein komplettes nachhaltiges Energiesystem auf. Damit kann der Mittelständler bereits heute beachtliche Erfolge vorweisen. Ein Vorbild für viele andere Großhandels- und Logistikunternehmen in NRW.
Herausforderung: Aufbau einer eigenen Infrastruktur
Auf jeder Planungsetappe der Flottenumstellung von Verbrennern zu elektrischen Antrieben ergaben sich für den Großhändler neue Entwicklungsschritte. Denn nach und nach wurde klar: Wegen unzureichender öffentlicher Lkw-Ladepunkte braucht sein Fuhrpark eine eigene Infrastruktur – samt grünem Strom, Speicher und intelligentem Lade- und Energiemanagement, um Netzlasten und Betriebsspitzen effizient zu steuern.
Besonderheit: Passgenau aufeinander abgestimmte Komponenten
Im Energiemanagementsystem sind alle Komponenten aufeinander abgestimmt und noch dazu autonom gesteuert – ein wesentlicher Faktor für die Wirtschaftlichkeit:
- Photovoltaik: Eine PV-Anlage stellt nicht nur eine möglichst große Eigenstromversorgung sicher, sondern vermindert auch die Abhängigkeiten vom Netzausbau des Betreibers.
- Energiemanagement: Da Stromerzeugung und -verbrauch zeitlich auseinanderfallen können, erfolgt die Versorgung flexibel – selbst Kühlhäuser und -wagen werden dafür bis zu 6 Stunden abgeschaltet.
- Lademanagement: Zur Reduktion des Spitzenlastverbrauchs werden Verbraucher wie Gabelstapler zeitversetzt geladen – auch über Nacht.
- Ladeinfrastruktur: Um den bestehenden Netzanschluss nicht zu überlasten, laden die Lkw möglichst langsam. Mangels markverfügbarer Lösung wurde dazu ein eigenes automatisiertes Ladeinfrastrukturmanagement entwickelt.
- Stationärer Speicher: Durch die Einbindung des stationären Speichers muss der Netzanschluss künftig nur minimal angepasst werden. Das erspart einen kostenintensiven Transformator. (Voßkamp hat lediglich eine 40 kW- Netzanschluss hat, kann aber in der Spitze bis zu 350 kW laden – nur dank Eigenerzeugung und Speicher)
- Sektorenkopplung: Die überschüssige Stromproduktion zu Randzeiten wird im Rahmen der Sektorenkopplung aktuell zur Drucklufterzeugung und Warmwasserbereitung genutzt.
- Automatisierung: Demnächst soll der Energieverbrauch wetter- und auftragsbasiert prognostiziert und gesteuert werden – das minimiert die Investitionen und reduziert den Energiebezug bei Schlechtwetter.
Wirkung: Erhebliche Kosteneinsparung und Netzunabhängigkeit
Am Ende des Transformationsprozesses wird sich der Stromverbrauch für Fuhrpark, Kühlhäuser und Gebäude mehr als versechsfacht haben – und überwiegend autark bestritten werden können. Die Weiterentwicklung des 2021 gestarteten Prozesses wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Doch schon jetzt lohnt sich die Umstellung: Derzeit kauft der Getränkegroßhändler jährlich 15.000 Liter Diesel, 20.000 kWh Gas, 1.000 Liter Heizöl sowie 10.000 kWh Strom weniger am Markt ein als im Referenzjahr 2019.