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Die Umwelt schützen, Ressourcen schonen, Versorgungssicherheit und Wettbewerbsvorteile ausbauen? Circular Economy setzt genau hier an: Sie verlängert Lebenszyklen, hält Materialien im Nutzungskreislauf und verbindet ökologische Notwendigkeit mit wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit. Für ein wettbewerbsfähiges und resilientes Nordrhein-Westfalen ist sie entscheidend.
Dabei meint Circular Economy weit mehr als Abfallrecycling – sie beschreibt eine von Grund auf zirkulär gestaltete Wirtschaftsweise, die – auch dank neuer Produktdesigns – weniger Neues verbraucht, Bestehendes instand hält und am Ende der originären Nutzung weiterverarbeitet. Von neu entwickelten ressourcenschonenden Materialien, über die Weiterverwertung von Baustoffen abgerissener Gebäude bis zum Recycling einzelner Rohstoffe, wie beispielsweise seltener Erden aus Solarzellen, Autobatterien oder Windenergieanlagen, deckt Circular Economy die gesamte Bandbreite der Branchen ab. Das schont nicht nur die Umwelt, sondern reduziert auch Kosten: Allein bis 2030 könnte Europa laut Bertelsmann-Stiftung durch konsequente Circular‑Economy‑Strategien jährlich rund 600 Milliarden Euro einsparen und Ressourcenflüsse in der gesamten Union verbessern.
Nachhaltiger Lösungsansatz für knappe Ressourcen
In Zeiten globaler Ressourcenkrisen rücken endliche Rohstoffe zunehmend in den Fokus. Während China die Verarbeitung und einen Großteil der Produktion seltener Erden dominiert, gerät für zahlreiche Staaten die Versorgungssicherheit mit diesen ins Wanken. Besonders dramatisch ist das, weil seltene Erden und andere kritische Rohstoffe Schlüsselfunktionen in der Herstellung von Technologien für die Energiewende übernehmen. In der Konsequenz steigt für uns die Notwendigkeit, diese Rohstoffe zu recyceln, strategische Rohstoffpartnerschaften auszubauen und Lieferketten zu diversifizieren, um Preisschwankungen, Engpässe und wirtschaftliche Risiken zu begrenzen.
Studien zeigen, dass Circular Economy die Abhängigkeit von Energie- und Rohstoffimporten reduziert und den Erhalt inländischer Ressourcen stärkt.
Wie wichtig dieser zusätzliche strategische Nutzen zirkulärer Wertschöpfung ist, zeigen aktuelle Zahlen: Von den rund 5.000 Tonnen seltener Erden, die Deutschland 2024 importierte, stammten mehr als die Hälfte aus China, bei 14 von 27 kritischen Rohstoffen für die Energiewende ist die Industrie aktuell zu 100 Prozent von Importen abhängig.
Kosten und Emissionen senken – wirtschaftliche Chancen nutzen
Auch für die Defossilisierung der Industrie ist ein effizienter Einsatz von Rohstoffen und Energie entscheidend. In energieintensiven Sektoren wie der Herstellung von Stahl, Zement, Aluminium und Kunststoffen könnten gezielte Maßnahmen europaweit jährlich zwischen 189 und 231 Millionen Tonnen CO₂ einsparen und zugleich den Energieverbrauch deutlich senken. Für Unternehmen entstehen so konkrete Chancen: resilientere Produktionsprozesse, geringere Materialkosten und neue Geschäftsfelder - etwa durch Reparaturservices, Rücknahmemodelle oder innovative Recyclinglösungen.
Dabei erreichen Deutschlands zirkuläre Innovationen bereits heute Spitzenplätze: Seit 2010 wurden deutschlandweit mehr als 10.700 Patente im Bereich der Circular Economy angemeldet, im weltweiten Vergleich waren es im gleichen Zeitraum nur in den USA mehr. Mit Blick auf die wirtschaftliche Relevanz ist Deutschland sogar Spitzenreiter. Besonders stark sind deutsche Unternehmen bei Technologien zur effizienten Nutzung von Produkten und zur Verlängerung ihrer Lebensdauer. Relevant und gefragt sind dabei zukünftig vor allem innovative Ideen in der Designphase: Denn hier werden bereits bis zu 80 Prozent der Umweltauswirkungen eines Produkts festgelegt.
Politik schafft Rahmenbedingungen – jetzt kommt es auf Akteure vor Ort an
Noch ist die Primärproduktion in vielen Bereichen kostengünstiger als der zirkuläre Ansatz. Entscheidend sind daher Anreize für Wiederverwendung, sogenannte sekundäre Produktionsprozesse, zum Beispiel durch den Abbau von noch bestehenden Subventionen für fossile Rohstoffe. Weitere Lösungsansätze sind auch entsprechend zu schaffende Marktbedingungen sowie eine gezielte Erhöhung der Nachfrage nach zirkulären Produkten, zum Beispiel durch Labels oder verbindliche Quoten.
Auf Bundesebene werden derzeit konkrete Maßnahmen im Rahmen des Aktionsprogramms Kreislaufwirtschaft entwickelt, zum Beispiel das Förderprogramm „Zukunft Kreislaufwirtschaft“. Es soll Unternehmen gezielt bei Investitionen in zirkuläre Produktionsverfahren, Recyclingtechnologien sowie in die Wiedergewinnung kritischer Rohstoffe finanziell unterstützen. Ebenso steht in diesem Jahr die Überführung der EU-Richtlinie zum „Recht auf Reparatur“ in nationales Recht an.
Zum Jahresende will die Europäische Kommission zudem ihren Gesetzesvorschlag für einen Circular Economy Act, kurz CEA, veröffentlichen. Der CEA soll den Übergang zu einer stärker kreislauforientierten Wirtschaft beschleunigen und damit die Resilienz, Wettbewerbsfähigkeit und Dekarbonisierung der EU verbessern.
Gleichzeitig ist vor allem das Handeln der verantwortlichen Akteure in den Regionen und Kommunen entscheidend, um passende Infrastrukturen für mehr Zirkularität vor Ort aufzubauen. Gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Initiativen nehmen sie eine Vorbildfunktion ein, wenn es darum geht, zirkuläre Wirtschafts- und Verhaltensweisen sowie nachhaltigere Konsumentscheidungen zum zukünftigen Standard zu machen – zum Beispiel durch Reallabore für Pfandsysteme, Sharing-Angebote oder Reparaturboni.
Leitstelle Circular Economy: Zentrale Anlaufstelle für NRW
Nordrhein-Westfalen treibt die Etablierung einer Circular Economy mit Nachdruck voran und ist schon heute ein wichtiger Standort in Europa: Aktuell sichert die Branche bereits mehr als 240.000 Jobs im Land, mindestens 180 Unternehmen sind zirkulär aktiv, 30 übergreifende Netzwerke haben sich gebildet, mehr als 20 Kommunen setzen Projekte um und über 35 wissenschaftliche Einrichtungen forschen zum Thema. Etablierte Förderprogramme des Landes wie „Zirkuläre Produktion“, „CircularCities“ sowie Kooperationen und thematische Netzwerke unterstützen gezielt das dichte Akteursnetzwerk. Auch eine umfassende landesweite Circular-Economy-Strategie ist derzeit in Arbeit und soll noch in diesem Jahr verabschiedet werden. Sie ist darauf ausgelegt, die EU- und Bundesstrategien um die besonderen Voraussetzungen und Schwerpunkte des Landes Nordrhein-Westfalen zu ergänzen.
Unter dem Dach von NRW.Energy4Climate unterstützt seit vergangenem Jahr die Leitstelle für Circular Economy – CE.NRW – des Landes Nordrhein-Westfalen Unternehmen und Kommunen beim Übergang in eine zirkuläre Wirtschaftsweise. Als zentrale Anlaufstelle des Landes stärkt sie gezielt die Vernetzung und Synergien zwischen Akteuren, hilft mit Fachexpertise bei Projektinitiierungen sowie der Entwicklung kreislauforientierter Geschäftsmodelle und fördert den Erfahrungs- und Wissensaustausch rund um das Thema Circular Economy. Ziel der bundesweit ersten Einrichtung dieser Art ist es, die richtigen Partner zusammenzubringen, bestehende Initiativen sichtbar zu machen und neue Impulse für zirkuläre Wertschöpfung zu geben.
Circular Economy befindet sich auf der Überholspur, um zum zentralen Element für nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit zu werden.
Interessiert daran, NRWs Circular Economy mitzugestalten und von den Chancen zu profitieren? Das Team der Leitstelle CE.NRW unterstützt Sie dabei und ist erreichbar unter circulareconomy@energy4climate.nrw.
Link zur Leitstelle Circular Economy
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