Praxisbeispiel

Kommunale ­Wärmewende

Wärme, die bezahlbar ist und unabhängig von Gas- und Ölimporten macht? Das geht – in Warendorf.

Ihr Kontakt

Dr. Joachim Frielingsdorf

Dr. Joachim Frielingsdorf

Referent Kommunikation

Wärme, die bezahlbar ist und unabhängig von Gas- und Ölimporten macht? Das geht – in NRW.

Die Wärmewende ist für viele Kommunen eine Herausforderung. Erst recht, wenn die Gebäudestrukturen Standardlösungen wie Luft-Wärmepumpen kaum möglich machen. Dass es trotzdem geht, zeigt das Beispiel Warendorf. In der Stadt im östlichen Münsterland soll zukünftig der örtliche Fluss große Teile der Stadt zuverlässig und autark mit klimaneutraler Flusswärme versorgen. Auf diese Weise vereint Warendorf Klimaschutz, Denkmalschutz und Versorgungssicherheit für die Menschen vor Ort. 

Fluss wird zur Energiequelle 

Mit dem Projekt „EmsWärme“ gehört Warendorf bundesweit zu den ersten Kommunen, die diese Art der Wärmeversorgung umsetzen: Wie so viele Städte in Nordrhein-Westfalen liegt auch Warendorf an einem Fluss. Die Stadt ist geprägt von einer historischen Altstadt, derzeit dominiert dort die Wärmeversorgung mit Öl und Gas. Im Zuge der kommunalen Wärmeplanung wird die Lebensader Ems nun zur Energiequelle. Mithilfe von einem zweistufigen Großwärmepumpenprozess wird dem Fluss thermische Energie entnommen und diese dann über ein neues, 14 Kilometer langes, im Untergrund verlegtes Wärmenetz direkt in die angeschlossenen Gebäude eingespeist. Das System funktioniert nahezu emissionsfrei, ist wartungsarm sowie nach dem Bau städtebaulich unauffällig und damit ideal für die Anforderungen der Gemeinde. Die Lösung ist ein Gewinn für alle: Warendorf spart nicht nur CO₂-Emissionen ein.

Die Menschen und Unternehmen vor Ort profitieren von einer sicheren, zukunftsfähigen und bezahlbaren Wärmeversorgung. Außerdem wird die städtebauliche Struktur und Lebensqualität in der historischen Altstadt bewahrt, in der viele Gebäude unter Denkmalschutz stehen und daher nur schwer modernisiert und ausreichend gedämmt werden können.

Warendorf ist damit nicht nur Vorreiter in Sachen kommunale Wärmewende, sondern auch ein Beispiel dafür, wie technologische Innovation mit städtebaulichen Besonderheiten kombiniert werden kann.

 

Warum das Projekt überzeugt – und was andere daraus lernen können:

In Zeiten globaler Krisen und schwankender Energiepreise zeigt sich deutlich, wie wichtig eine unabhängige und stabile Energieversorgung ist. Zeitgleich wird die Versorgungssicherheit für die Bevölkerung erhöht und die Abhängigkeit von importierten fossilen Energieträgern wie Gas oder Öl reduziert.

Durch die zentrale Wärmeversorgung aus der Ems können langfristig stabile Preise angeboten werden. Da die Preisentwicklung nicht an internationale Märkte gekoppelt ist, erhalten Bürgerinnen und Bürger eine planbare, verlässliche Kalkulationsgrundlage für ihre Heizkosten – ein wichtiger sozialer und wirtschaftlicher Vorteil.

Das Projekt „EmsWärme“ nutzt bevorzugt regionale Energiequellen, weshalb ein erheblicher Teil der Investitionen und laufenden Kosten innerhalb der Region verbleibt. Den Bürgerinnen und Bürgern wird eine lokale Wärmeversorgung aus den vorhandenen Potenzialen geboten, das Projekt „EmsWärme“ schafft damit einen regionalen Mehrwert.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Projekt “EmsWärme”

Über ein Einlaufbauwerk wird Wasser aus dem Fluss entnommen und über einen Wärmetauscher geleitet. Dort wird die im Wasser enthaltene Wärme auf den Wärmepumpenprozess übertragen – das Wasser selbst bleibt dabei unverändert und kommt nicht mit wassergefährdenden Stoffen in Kontakt. Anschließend hebt eine elektrische Wärmepumpe die Temperatur in zwei Schritten auf rund 70 bis 85 Grad Celsius. Diese Wärme wird über ein neu gebautes Nahwärmenetz in die angeschlossenen Gebäude transportiert. Ein großer Pufferspeicher sorgt für die Flexibilisierung des Systems. Das abgekühlte Flusswasser wird danach zurück in die Ems geleitet.

Wärmepumpen laufen generell mit Strom, idealerweise aus erneuerbaren Quellen wie Wind- oder Sonnenenergie. So bleibt die Versorgung nicht nur lokal und unabhängig, sondern auch nahezu emissionsfrei. Eine moderne Wärmepumpe kann aus einer Kilowattstunde Strom ein Vielfaches an Wärme erzeugen, was das System besonders effizient und klimafreundlich macht.

In der ersten Ausbaustufe versorgt das Wärmenetz zentrale Gebäude, darunter Schulen, Kitas, Verwaltungsgebäude und weitere öffentliche Einrichtungen sowie die historischen Gebäude in der Warendorfer Altstadt. Perspektivisch sollen auch angrenzende Viertel angeschlossen werden. Der Ausbau des Netzes erfolgt modular, sodass sich die Versorgung Schritt für Schritt erweitern lässt.

Das Projekt wird von den Stadtwerken Warendorf umgesetzt. Sie arbeiten dabei eng zusammen mit den Fachämtern der Stadtverwaltung, dem städtischen Abwasserbetrieb sowie externen Fachplanungsbüros. Parallel erarbeitet die Stadtverwaltung die kommunale Wärmeplanung für das gesamte Stadtgebiet mit allen Ortsteilen.

Neben der technischen Planung, der gewässerverträglichen thermischen Nutzung der Ems und der Finanzierung ist die öffentliche Begleitung eines solchen Projekts von enormer Wichtigkeit. Das Projekt „EmsWärme“ wird von einer durchdachten Öffentlichkeitsarbeit flankiert, die insbesondere den Bauprozess an die Anwohnenden kommuniziert. Durch die enge Zusammenarbeit der Kommune Warendorf, den zuständigen Genehmigungsbehörden und der Stadtwerke konnten Bedenken sachlich ausgeräumt und gemeinsame Lösungen gefunden werden. Um das Investitionsvolumen zu senken, wurde die BEW-Förderung in Anspruch genommen.

So kann auch Ihre Kommune profitieren 

Am Beispiel Lichtenau wird deutlich: Wer frühzeitig in die lokale Energiewende investiert, wird zur Gewinnerin der Transformation. Die Nutzung regionaler Ressourcen schützt nicht nur das Klima, sondern schafft auch finanzielle Spielräume. Nutzen auch Sie die Potenziale Ihrer Kommune – und gestalten Sie die Energiewende aktiv mit. 

Dabei helfen wir Ihnen gerne weiter. Profitieren auch Sie und werden Sie dabei Teil des Wandels. Starten Sie jetzt mit unserer Hilfe Ihr Klimaschutzprojekt. Zeigen Sie: #DasGehtInNRW.

Ihr Kontakt

Dr. Joachim Frielingsdorf

Dr. Joachim Frielingsdorf

Referent Kommunikation

Das geht in NRW – Klimaneutrale Wärmeversorgung aus dem Fluss

Mit dem Projekt EmsWärme wird der Fluss vor der Haustür zur Energiequelle: Eine Großwärmepumpe entzieht dem Wasser der Ems Umweltwärme und versorgt darüber künftig viele Gebäude in Warendorf mit klimaneutraler Heizenergie.