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Das Unternehmen SCHÖNEWEISS & CO GmbH, ein führender Schmiedetechnik-Spezialist aus Hagen, reduziert seine Energiekosten mit der Direktversorgung aus einer zweieinhalb Kilometer entfernten Windenergieanlage, und macht sich so unabhängig von kurzfristigen Schwankungen an der Strombörse.
Im Interview erklärt Dr. Frank Werner, Geschäftsführer der SCHÖNEWEISS & CO GmbH, was bei der Umsetzung zu beachten ist, welches Zwischenfazit das Unternehmen zieht und was er anderen Unternehmen empfiehlt.
Wie war die Ausgangslage in Ihrem Unternehmen und was hat Sie motiviert, sich mit einer Direktstromversorgung auseinanderzusetzen?
SCHÖNEWEISS ist ein traditionsreiches Schmiedeunternehmen in Hagen mit hohem Energiebedarf, insbesondere für Prozesswärme. Die Energiepreiskrise nach dem Ukraine-Krieg hat uns gezeigt, wie abhängig und verwundbar wir gegenüber fossilen Energieträgern sind. Unser Ziel war es, eine saubere, planbare und lokale Stromquelle zu finden – und so entstand die Idee der Direktversorgung durch ein nahegelegenes Windrad.
Wie funktioniert das Modell der Direktstromversorgung für SCHÖNEWEISS?
Dr. Frank Werner: Das Windrad steht nur 2,5 km vom Werk entfernt und liefert Strom direkt über eine bestehende Kabeltrasse – ein in Deutschland bisher einzigartiges Modell. Gemeinsam mit unserem Energiepartner SL Naturenergie wurde ein langfristiger Liefervertrag geschlossen, der Versorgungssicherheit und Preisstabilität garantiert.
Ein zentraler Vorteil: Es fallen keine Netzentgelte an, da der Strom nicht über das öffentliche Netz geleitet wird. Für SL Naturenergie als Betreiber des Windparks bedeutet das eine direkte Abnahme ohne Umweg über den Strommarkt – eine echte Win-win-Situation für beide Seiten.
Wie lange hat es gedauert von der unternehmerischen Investitionsentscheidung bis zur Umsetzung und Verlegung der Kabel bzw. bis zum ersten Mal Strom floss?
Die Umsetzung war komplex. Zwar bestand die Kabeltrasse bereits, doch rechtliche Hürden verhinderten lange die Nutzung. Erst durch neue gesetzliche Entwicklungen und intensives Engagement beider Partner konnte das Projekt realisiert werden. Die Zeitspanne von der Entscheidung bis zur Inbetriebnahme betrug rund zwei Jahre.
Die Windenergieanlage wurde im Frühsommer 2025 eingeweiht – was ist Ihr Zwischenfazit nach den ersten Monaten?
Die ersten Monate zeigen, dass das Windrad mit einer Leistung von 4,26 MW einen erheblichen Teil unseres Strombedarfs decken kann. Unsere Produktion benötigt jährlich rund 13,5 Mio. kWh für Prozesswärme – das Windrad liefert voraussichtlich 14 Millionen kWh. Der genaue Anteil, den wir direkt nutzen können, wird sich im laufenden Betrieb konkretisieren.
Das Konzept rechnet sich bereits durch die Einsparung bei Spitzenlasten, die bisher mit sechsstelligen Beträgen zu Buche schlugen. Darüber hinaus stärkt das Projekt unsere Innovationskraft, erhöht unsere Attraktivität als Arbeitgeber und reduziert unseren CO₂-Footprint deutlich – ein starkes Signal an Kunden, Mitarbeitende und die Region.
Nicht zuletzt macht uns die Direktversorgung unabhängiger von Energiekrisen und positioniert SCHÖNEWEISS als Vorreiter der grünen Industrie in NRW.
Was würden Sie anderen Unternehmen raten, die auch eine Direktstromversorgung in Erwägung ziehen?
Wichtig ist, frühzeitig die rechtlichen Rahmenbedingungen zu prüfen und starke Partner zu finden. Die regulatorischen Hürden sind nach wie vor hoch – hier braucht es dringend Vereinfachungen, um solche Projekte schneller und breiter umsetzen zu können. Unternehmen sollten auch die langfristigen Vorteile betrachten: Versorgungssicherheit, Kostenkontrolle und Nachhaltigkeit.
Mehr zum Projekt unter #DasGehtInNRW: Link zur Projektseite
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