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#DasGehtInNRW: „Für uns rechnet sich jeder einzelne E-Lkw" - Interview

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Die Contargo GmbH & Co. KG aus Neuss, einer der führenden Anbieter intermodaler Containertransporte in Europa, will bis 2045 seine gesamte Flotte von rund 1.000 Fahrzeugen elektrifizieren und baut zudem das größte private Ladenetzwerk für schwere Elektro-Lkw in Deutschland auf. Auf diese Weise gelingt es Contargo, seine CO₂-Emissionen sowie Energie- und CO₂-Kosten signifikant zu reduzieren. Wie sich die Maßnahmen und weitere Vorteile auszahlen, berichtet Contargo-Geschäftsführer Volker Boveland im Interview.

Sie haben das bis dato größte private Ladenetzwerk für E-Lkw in Deutschland errichtet – für welche Unternehmen wäre so ein Vorgehen ebenfalls sinnvoll? 

Volker Boveland: Eine eigene Ladeinfrastruktur ist für viele Unternehmen sinnvoll – vorausgesetzt, es gibt einen eigenen Fuhrpark und die Fahrzeuge haben den erforderlichen Zeitpuffer am Standort, um geladen werden zu können, etwa über Nacht, in der Mittagspause oder während des Ent- bzw. Beladens. Besonders lohnend ist dies, wenn am Standort zusätzlich Energie erzeugt wird, beispielsweise durch Photovoltaik oder Rekuperation, also Energierückgewinnung. 

Dürfen an Ihrer Ladeinfrastruktur auch Kunden laden und wie funktioniert das Geschäftsmodell dahinter?  

Die Ladesäulen werden von unseren eigenen Fahrzeugen genutzt. Sobald sich auch unsere Subunternehmen E-Lkw anschaffen, werden wir ihnen ebenfalls das Laden an unseren Ladepunkten ermöglichen. 

Planen Sie den regenerativen Strom für Ihre Ladepunkte perspektivisch selbst zu erzeugen?  

Das wäre natürlich ideal, aber das hängt von den Standorten ab. Wo es möglich ist, werden wir Photovoltaikanlagen errichten, wie zum Beispiel bereits in Neuss. Außerdem gewinnen wir Energie durch die Rekuperation unserer Krane. Dank Stromspeicher und smartem Energiemanagement können wir den Strom effizient einsetzen. 

Rechnet sich der Betrieb von E-Lkw für Sie auch schon ohne eine Förderung bei der Anschaffung?  

Für uns rechnet sich jeder einzelne E-Lkw, denn unser Ziel ist die Dekarbonisierung. Natürlich muss dieses Ziel auch finanziell machbar sein, aber wir sehen uns weiterhin als Vorreiter. Denn je mehr Fahrzeuge gekauft werden und je besser die Ladeinfrastruktur ist, umso weiter sinken die Anschaffungskosten und die Bereitschaft auf E-Lkw umzusteigen wächst. 

Nur wenn die Nachfrage nach E-Lkw groß bleibt, werden sie auch weiterentwickelt. Seit wir die Fahrzeuge nutzen ist ihr Stromverbrauch gesunken und der Energiegewinn durch Rekuperation gestiegen. Derzeit sind die E-Lkw ohne die Anschaffungskosten bereits ab einer Strecke von 144 Kilometern aufwärts günstiger als Diesel-Lkw. Die Maut-Entlastung und die steigende CO2-Steuer werden den E-Lkw attraktiver machen. 

Wie kommen die E-Lkw bei Ihren Fahrern und Kunden an, welches Feedback bekommen Sie?  

Die Fahrer sind begeistert. Sie haben einen modernen, komfortablen und leisen Arbeitsplatz. Gleichzeitig sind sie Vorreiter, die in enger Abstimmung mit der Disposition arbeiten, die die Erfahrung der Fahrer zu schätzen weiß. 

Theoretisch macht es für den Kunden keinen großen Unterschied, ob wir seinen Container mit E-Lkw oder Diesel transportieren: Die Fracht kommt wie gewohnt an. Allerdings gibt es auch schon einige Kunden, die emissionsreduzierte Transporte nachfragen, um ihre eigene CO2-Bilanz zu verbessern oder die ihrer eigenen Kunden. So ist in Hamburg erst durch den Einsatz von E-Lkw eine eigene Flotte mit 13 Fahrzeugen entstanden, die ausschließlich aus batterieelektrischen Fahrzeugen besteht. 

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