| Newsbeitrag
Mit dem Projekt „EmsWärme“ gehört Warendorf bundesweit zu den ersten Kommunen, die auf klimafreundliche Flusswärme setzen. Mit Hilfe von Hochleistungswärmepumpen wird der Ems ab circa 2027 thermische Energie entnommen und die Stadt über ein sich gerade im Bau befindliches Wärmenetz mit klimafreundlicher Wärme versorgt. Auf diese Weise vereint Warendorf Klimaschutz, Denkmalschutz und Versorgungssicherheit für die Menschen vor Ort.
Im Interview spricht Ulrich K. Butterschlot, Geschäftsführer der Stadtwerke Warendorf GmbH, über Vorteile für Kunden, die Nachahmbarkeit des Projektes, wie Förderungen helfen und wann die Emswärme für sein Unternehmen wirtschaftlich wird.
Wie profitieren Bürgerinnen und Bürger langfristig von der EmsWärme und anderen erneuerbaren Projekten, die Sie noch planen?
Ulrich K. Butterschlot: Mit der EmsWärme gehen wir einen nächsten Schritt auf dem Weg zu einer nachhaltigen und zukunftsorientierten Energieversorgung in unserer Region. Bürgerinnen und Bürger können sich anschließen lassen, haben damit langfristig eine klimaschonende Wärmeversorgung und gerade in der Innenstadt eine umsetzbare und funktionierende Versorgung. Wir werden im Zuge der Finanzierung auch ein Budget einplanen, dass über sogenannte Nachrangdarlehen von Bürgern in der Region gezeichnet werden kann. Diese erhalten dann eine feste Rendite und leisten für uns einen wichtigen Beitrag zur Finanzierung der Wärmewende in Warendorf.
Letzten Endes tragen solche Projekte dazu bei, dass das Geschäftsmodell, regionaler Versorger in und für die Region zu sein, auch weiterhin eine Erfolgsstory ist. Aber ganz wichtig: Die Kunden profitieren! Sie bekommen Wärmeenergie zuverlässig, von einem fairen Partner zu guten Preisen!
Sie bauen ein neues Wärmenetz, das heißt: Baustellen mitten in der Altstadt – wie haben Sie den notwendigen Ausbau den Anwohnenden und dortigen Geschäftsleuten nahegebracht?
Von vornherein haben wir den Austausch mit den handelnden Personen in der Stadt gesucht. Wir haben versucht die Vision, unser Vorgehen, den jeweiligen Nutzen allen Beteiligten nahezubringen. Durch das motivierte Team der Stadtwerke und auch der Stadt ist dadurch eine Agilität in der Stadt entstanden, die sich zumindest zu wesentlichen Teilen auf die Anwohner und Geschäftsleute übertragen hat. Nicht zuletzt dadurch entstand eine Atmosphäre der Geduld und Beharrlichkeit, zwei Vokabeln, die ebenfalls wichtige Erfolgskriterien beschreiben. Insofern: Der Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Wir sind weiterhin dabei, dieses Projekt den Anwohnern und Geschäftsleuten nahezubringen.
Das Interesse anderer Kommunen und Energieversorger an Ihrem Modell einer Flusswärmepumpe ist groß – wo besteht der größte Informationsbedarf?
Das Interesse der Kollegen ist vielfältig: mal werden wir gefragt, wie wir die Kommunalpolitik eingebunden haben, mal gibt es technische Fragen oder Fragen zum Genehmigungsverfahren. Häufig wird auch nach der Finanzierung oder der Förderkulisse gefragt. An der Stelle gilt es deutlich zu machen, dass oft die Situation vor Ort und der Rahmen insgesamt betrachtet werden muss. So kommt uns in Warendorf zu Gute, dass die Ems mitten in der Stadt gestaut wird, die Stadt eine große Straßenbaumaßnahme vor sich hat, die wir uns zu Nutze machen können, die Förderkulisse für unser Projekt passend war und ist, ein Grundstück für das Emswerk gefunden werden konnte, und, und, und. Genau das ist vermutlich eine der wesentlichen Informationen für die Kollegen: Es gilt zu schauen, welche Chancen man jeweils vor Ort hat und diese gilt es nutzen.
Ihre Flusswärmepumpe wurde von außen betrachtet reibungslos behördlich genehmigt – was empfehlen Sie anderen Kommunen in Sachen Genehmigung, was ist z.B. beim Naturschutz zu beachten?
Das ist richtig, das lief wirklich gut: Hier ist hervorzuheben, dass die Genehmigungsbehörde es zugelassen hat, dass wir sie sehr frühzeitig eingebunden haben. Durch diese frühe Einbindung und den regelmäßigen Austausch war es ein Miteinander und die berechtigten Auflagen und Anordnungen sind für uns zur Selbstverständlichkeit geworden. Die Genehmigungsbehörden und dazugehörigen Gremien haben wir als „Möglichmacher“ wahrgenommen.
Welche Förderungen waren und sind für Ihr Projekt notwendig und wann rentiert sich das Projekt unternehmerisch?
Wir haben die Förderungen gemäß Programm „Bundesförderung effiziente Wärmenetze“ (BEW) zugesagt bekommen. Das heißt, zunächst wurde die Erstellung der Machbarkeitsstudie unterstützt (BEW Modul 1), in der Bauphase erhalten wir die Förderung nach BEW Modul 2, also den Investitionszuschuss, bei Inbetriebnahme der Wärmepumpen erhalten wir dann die Betriebskostenförderung gemäß BEW Modul 4.
Mit dieser Förderung wird die EmsWärme betriebswirtschaftlich erfolgreich. Nach der Anlaufphase von etwa fünf Jahren wird diese Sparte wirtschaftlich und trägt sich auch nach Auslaufen der Betriebskostenförderung. Die Förderung nach BEW, so können wir konstatieren, ist passgenau und trägt dazu bei, solche Projekte wirtschaftlich darzustellen.
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