Hotspots für Carbon Management in NRW: Vorreiter-Unternehmen für den klimaneutralen Umbau der NRW-Industrie ausgezeichnet

26.04.2022

Nordrhein-Westfalen soll zum modernsten und klimafreundlichsten Industriestandort Europas werden. Damit das gelingt, wird es neben dem Ausbau der Erneuerbaren Energien und dem Einsatz von Wasserstoff vor allem auf einen nachhaltigen Umgang mit Kohlenstoff ankommen.

Im Zuge einer zweitägigen Carbon Management Tour durch NRW hat Wirtschafts- und Energieminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart am 21. und 22. April innovative Industrieunternehmen besucht, die neue Wege bei der nachhaltigen Kohlenstoffnutzung gehen. Darunter verschiedene Projekte des seit Januar 2022 unter dem Dach von NRW.Energy4Climate aktiven Thinktanks IN4climate.NRW. 

 

Kohlenstoff ist als Energieträger, Rohstoff oder Hilfsstoff für zahlreiche Kernbereiche der Industrie unverzichtbar. Viele Unternehmen in Nordrhein-Westfalen arbeiten an einem nachhaltigen Kohlenstoffmanagement und nehmen dabei häufig eine deutschlandweite oder sogar europaweite Vorreiterrolle ein. Diese innovativen Unternehmen setzen an ganz unterschiedlichen Bereichen an: Die Unternehmen TSR Recycling und thyssenkrupp Steel Europe arbeiten in dem vom Land Nordrhein-Westfalen geförderten Projekt REDERS am größten Stahlstandort Europas in Duisburg daran, Schrott zu hochwertigem Stahl zu recyceln. Dadurch sparen sie Energie, CO2-Emissionen und wertvolle Rohstoffe ein. Das Vorhaben fördert das Land im Rahmen von IN4climate.NRW mit 6,4 Millionen Euro.

 

Bei der Aluminiumherstellung will die Firma TRIMET Aluminium SE zukünftig komplett auf Kohlenstoff verzichten und arbeitet im internationalen, vom Land NRW geförderten Verbundprojekt daran, inerte Anoden zur Aluminiumelektrolyse einzusetzen. Das Unternehmen engagiert sich als Partner in der Initiative IN4climate.NRW, die Förderung erfolgt im Rahmen dieser Initiative vom Land NRW. 

 

In Bereichen, in denen nicht vollständig auf fossilen Kohlenstoff verzichtet und die CO2-Entstehung beim Verarbeiten dieser Rohstoffe kaum verhindert werden kann, sind alternative, klimafreundlichere Einsatzstoffe von großer Bedeutung. Für die Zementherstellung könnte gehärteter (calcinierter) Ton eine Schlüsselrolle spielen und den CO2-intensiven Zementklinker anteilig ersetzen. Für die klimaneutrale Transformation der Zementindustrie reicht der anteilige Einsatz alternativer Rohstoffe allein allerdings nicht aus. Nur durch die Kombination verschiedener technischer und strategischer Ansätze kann der Umbau erfolgreich gelingen. Der Konzeption einer solchen ganzheitlichen Herangehensweise widmen sich die Städte Erwitte und Geseke, unterstützt von VDZ e.V. und namhaften Zementherstellern, im Projekt Klimaneutrale Zementregion, für das das Wirtschaftsministerium eine Landesförderung im Rahmen von IN4climate.NRW in Höhe von fast 200.000 Euro zusagte.

 

Die CO2-Abscheidung,  der Transport und die anschließende Nutzung oder Speicherung des CO2 (engl. Carbon Capture and Utilisation/CCU; Carbon Capture and Storage/CCS) sind ein wichtiger Schlüssel im Umgang mit unvermeidbaren CO2-Emissionen und zur Erreichung der Klimaneutralität in der Kalkindustrie. Die beiden IN4climate.NRW-Partner Air Liquide und Lhoist Germany Rheinkalk GmbH arbeiten an der Abscheidung und dem Transport von Kohlenstoffdioxid. 

 

Klar ist: Für das Carbon Management gibt es keine universelle Lösung. Je nach Branche, Prozess und Wertschöpfungskette bedarf es ganz unterschiedlicher Ansätze für den Aufbau einer sparsamen, kreislauforientierten und klimaneutralen Kohlenstoffwirtschaft. Die Landesregierung hat im vergangenen Jahr die deutschlandweit erste Carbon Management Strategie unter Mitarbeit der Geschäftsstelle IN4climate.NRW auf den Weg gebracht, in der verschiedene Handlungsfelder aufgezeigt und spezifische Lösungsansätze sowie Leitplanken für den Übergang in eine Low Carbon Industry skizziert werden.

 

Wichtige Impulse gesetzt hat IN4climate.NRW in der Debatte unter anderem mit den Diskussionspapieren „CO2 in einer klimaneutralen Grundstoffindustrie“ und „Circular Economy in der Grundstoffindustrie“. Um das Thema auch grenzüberschreitend voranzubringen, engagiert sich die Landesgesellschaft NRW.Energy4Climate im Aufbau internationaler Partnerschaften. So hat NRW.Energy4Climate zum Beispiel am 25. April eine Kooperationsvereinbarung mit Innovation Norway zu den Themen CCU und CCS abgeschlossen. 

 

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